Der Landarztmangel ist bittere Realität. Die hellrosa Flächen, die im Versorgungsatlas der Kassenärztlichen Bundesvereinigung schlecht bis unterversorgte Regionen kennzeichnen, werden immer größer.

Die SPD hat die Schuldigen schnell ausgemacht. „Die meisten Ärzte zieht es dorthin, wo es viele Privatversicherte gibt, an denen sie deutlich mehr verdienen. Und das ist vornehmlich in den Metropolen der Fall“, behauptete der Gesundheitsexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, gegenüber der Saarbrücker Zeitung. Die Bertelsmann-Stiftung stößt ins gleiche Horn. Für die Stiftung twitterte Stefan Etgeton: „Der PKV-Mehrumsatz täuscht darüber hinweg, dass davon nur Ärzte mit vielen Privatversicherten profitieren. Gerade Regionen, die es nötig hätten, gehen leer aus.“

Richtig ist, dass die Behandlung von Privatpatienten deutlich besser vergütet wird als die Behandlung von GKV-Patienten. Falsch ist jedoch die Behauptung, Ärzte zögen dieser Verdienstmöglichkeiten wegen in die Städte.

Der Regionalatlas des PKV-Verbandes zeigt, dass Ärzte in ländlichen Regionen stärker von der Behandlung Privatversicherter profitieren als ihre Kollegen in den Städten. Das weist die kostenadjustierte Bereinigung dieser Mehrumsätze nach. Exemplarisch für Bayern heißt das: In München beläuft sich der Realwert der Mehrumsätze auf 37.851 Euro pro niedergelassenem Arzt, im Landkreis Wunsiedel hingegen auf 67.565 Euro. Spricht sich das herum, dann müssen wir nach SPD-Logik mit einer Stadtflucht der Ärzte rechnen.

Aber dazu wird es nicht kommen. Denn alle Umfragen zeichnen ein anderes Bild. Ausschlaggebend für die Ortswahl der jungen Ärztinnen und Ärzte sind Fragen der Infrastruktur. Findet mein Lebenspartner einen Job? Wie weit sind die Wege zu Kita und Schule? Da sind die Gemeinden und Kommunen gefragt. Der Trend zum Leben und Arbeiten in Ballungszentren ist keineswegs ein allein deutsches Phänomen. Junge Ärzte zieht es in allen OECD-Ländern mit vergleichbarer Wirtschaftskraft in die Metropolen.

Dennoch haben auch wir Ärzte eine Aufgabe. Wir müssen den jungen Ärztinnen und Ärzten die Angst vor der Niederlassung nehmen. Wir müssen sie begeistern für unsere Arbeit, den Arztberuf als einem Freien Beruf! 

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