Praxisfinanzen

Durst wird durch Bier erst schön


Anlage-Tipp Bieraktien Wie die Weltmarktführer mit dem Trend zu Wellness und Craftbier attraktive Margen erzielen.


Text: Anne Nürnberger

Die Entwicklung des Biermarktes ist nicht nur zur Oktoberfestzeit ein spannendes Thema. Nach fünf Jahren Flaute wird weltweit wieder mehr Bier getrunken. Die Branchenführer Anheuser-Busch InBev, Heineken und Carlsberg setzen in den ersten sechs Monaten des Jahres nun wieder mehr um als im Vergleichszeitraum 2018. Ein positiver Trend, der auch den Anlegern schmeckt und sich nach den Prognosen der Analysten in den nächsten Jahren fortsetzen soll.

Dass der Bierkonsum der Deutschen seit Jahren sinkt, spielt für den globalen Wachstumstrend dabei keine Rolle. Und sieht man genauer hin, so hat sich zwar der Absatz der deutschen Brauer in der ersten Jahreshälfte 2019 um 2,7 Prozent auf rund 4,6 Milliarden Liter verringert, wie das statistische Bundesamt mitteilte. Nicht von der Steuerstatistik erfasst werden dabei aber die alkoholfreien Sorten, die sich zu einem bedeutenden Wachstumsmarkt entwickelt hätten, so der Deutsche Brauer-Bund. Jeder fünfzehnte in Deutschland gebraute Liter Bier sei heute schon alkoholfrei.

„Die Nachfrage nach alkoholfreien Bieren im Jahr 2018 hat selbst unsere optimistischen Prognosen übertroffen und sich dank des sehr guten Sommers sensationell entwickelt: Im letzten Jahr wuchs das Segment um fast 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, alkoholfreie Radler und vergleichbare Biermischgetränke sogar um gut 19 Prozent“, sagt Marc-Oliver Huhnholz, Sprecher des Deutschen Brauer-Bundes.

„Auf Grundlage dieses Trends rechnen wir damit, dass sich der Marktanteil alkoholfreier Biere binnen weniger Jahre von den erwähnten, derzeit gut sieben Prozent, gemessen an einer Gesamtmarktgröße von rund 94 Millionen Hektolitern, auf künftig zehn Prozent entwickeln wird.“

Bier – ein Grundbedürfnis

Wie attraktiv sind also Bier-Aktien insbesondere in Zeiten des Niedrigzinses und bei anziehender Inflation? „Beim Bier geht es, wie beim Essen, um die Grundbedürfnisse des Menschen. Hier wird nicht verzichtet, auch wenn es konjunkturell einmal nicht so gut geht“, sagt Karl-Heinz Geiger, Geschäftsführer der SVA Vermögensverwaltung Stuttgart. Darauf bei der Anlage zu setzen, sei also grundsätzlich erst einmal keine schlechte Idee. Anlegern, die sich für Bier-Aktien interessieren, rät Geiger, diese über eine geringe Beimischung von Aktien der Marktführer ganz nüchtern in einen ausgewogenen Vermögensmix zu integrieren.

„Große Konzerne mit globalen Absatzmärkten können sanfte Schwankungen beim Bierkonsum eher ausgleichen als kleine lokale Anbieter“, so Geiger. „Dort sind Anleger relativ gut aufgehoben.“ Größe sei aktuell alles, der Biermarkt hätte sich zunehmend konsolidiert.

Was momentan genau am Markt passiert, beschreibt der Hopfen-Branchenreport Barth-Bericht: „Das Interesse der etablierten Braukonzerne an schnell wachsenden bzw. namhaften Craftbier-Spezialisten ist nach wie vor groß, da es der einzige Wachstumssektor der Branche ist.“ Die Großen kaufen die Kleinen auf, an den Machtverhältnissen im Markt ändert der Craftbier-Boom also nichts.

Schon jetzt stellen die vier größten Brauereien der Welt bereits mehr als die Hälfte der weltweiten Bierproduktion. Die Prognosen zum wachsenden Bierkonsum stützen sich auf zwei Trends. Zum einen wird in China und in anderen Schwellenländern teureres Bier in der wachsenden Mittelschicht zunehmend ein Statussymbol und damit beliebter. Zum anderen das Gesundheitsbewusstsein in Europa und den USA dazu geführt, dass die Brauereien sich in Teilen neu erfinden mussten. Abwechslungsreiche Getränke mit wenig oder keinem Alkohol, das wünschen diese Kunden sich. Innovationen seien entscheidend für dauerhaften Erfolg, so die Analyse von Duncan Fox von Bloomberg Intelligence.

Die Nummer 1: Anheuser-Busch InBev SA

Die Anheuser-Busch InBev SA (AB InBev), mit knapp 30 Prozent Weltmarktanteil der mit Abstand größte Player im Bier-Markt, wird den Anteil alkoholfreier Getränke bis 2025 auf mehr als 20 Prozent steigern, schätzen Experten. Zu den Marken der belgischen Brauereigruppe gehören unter anderen auch Budweiser, Becks, Hasseröder, Löwenbräu, Franziskaner, Stella Artois, Corona und Diebels.

Ihre Größe erreichte AB InBev auch durch den Zukauf des einst auf Rang 2 der Brauereien-Rangliste platzierten Unternehmens SAB Miller (South African Breweries) aus Großbritannien. Gemeinsam produzieren die Brauereien unter dem AB InBev-Dach 567 Millionen Hektoliter Bier pro Jahr.

Die Nummer 2: Heineken N.V.

Auch den zweitgrößten Bierproduzenten (12,3 Prozent des Weltmarktes), die niederländische Heineken N.V. dürfen Anleger im Blick behalten. 16,5 Prozent der Umsätze und 233,8 Millionen Hektoliter Bier im Jahr fallen auf die Marke Heineken. Auch die Label Amstel und Desperados, das asiatische Tiger sowie anteilig Paulaner und Fürstenberg gehören zur Heineken-Gruppe. Seit 2018 ist Heineken mit 40 Prozent an der China Resources Breweries Ltd. beteiligt.

Die Nummer 3: China Resources Breweries LTD

China ist das Land, in dem weltweit das meiste Bier produziert wird. Im vergangenen Jahrr waren das 381 Hektoliter. Davon kamen 121 Millionen Hektoliter, und damit 6,4 Prozent des weltweiten Marktes, aus der China Resources Breweries mit Sitz in Hongkong. Die bekannteste Biermarke des Konzerns heißt Snow und wird fast ausschließlich in China verkauft.

Die Nummer 4: Carlsberg A/S

Die dänische Gruppe setzt in Sachen Wachstum auf teure Craftbiere für eine junge, urbane Zielgruppe in den Metropolen der Welt. Experten der Deutschen Bank schätzen, dass Carlsberg so bald Margen in der Größenordnung von Heineken erreichen kann. Zum Unternehmen gehören Biermarken wie Astra, Duckstein und Lübzer. Im Vergleich der Top 4 der Branche hat Carlsberg die geringste Verschuldungsrate und damit noch einen guten Spielraum für attraktive Zukäufe.

„Diversifizieren“, so lautet die Devise

Aber wie kommt der richtige Bier-Mix denn nun ins Anlage-Portfolio? „Ein Privatanleger kann über ETFs anlegen oder ein Depot aufbauen“, sagt Karl-Heinz Geiger von der SVA Vermögensverwaltung. „Direktanleger sollten für ein sinnvoll diversifiziertes Depot, das natürlich auch Bier-Aktien der Branchenführer enthalten kann, schon 100 000 Euro haben, um sinnvoll streuen zu können.“

Doch auch jenseits der ganz Großen gibt es spannende Möglichkeiten, in den Biermarkt zu investieren und auch regional vom Craftbier-Boom zu profitieren.

„Es gibt für Investoren durchaus interessante kleinere Brauhäuser, die zum Beispiel einen etablierten Absatzmarkt und wertvollen Immobilienbesitz bieten“, so Geiger. Hier gelte es, die Fakten gut zu prüfen und die Anlagebedingungen genauestens zu analysieren. Und im Zweifel auf ein Investment lieber zu verzichten.

Bei so vielen neuen Brauspezialitäten – ob mit oder ohne Alkohol – kann es sich abgesehen von Kursgewinnen durchaus lohnen, auf kulinarische Entdeckungstour zu gehen. Eine echte Expertin darin ist Elisa Raus (28) aus Stralsund. Die Pressesprecherin der Störtebeker Braumanufaktur wurde in diesem Jahr als erste Frau Weltmeisterin der Biersommeliers. Neben traditionellen Bieren brauen die Stralsunder, die 2018 einen erneuten Absatzrekord verzeichnen konnten, auch international ausgezeichnete Eigenkreationen und Jahrgangsbiere. Sie sei stolz, das Kulturgut Bier nun auch international repräsentieren zu dürfen, sagt Raus. „Meine Hauptanliegen sind, die feine Sensorik, die bunte Vielfalt der Bierspezialitäten und die hohe Wertigkeit von Bier den Menschen und besonders den Frauen dort draußen nahezubringen und zu vermitteln.“

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