PVS Positionen

Neues aus den Geschäftsstellen

Branchentreff zu Forderungsmanagement und Abrechnung

Dass es viele Anforderungen und Regelungen gibt, die den Deutschen Factoring-Verband, den Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen und den Verband der Privatärztlichen Verrechnungsstellen gleichermaßen betreffen, hatten die Verbänden in gemeinsamen Gesprächen seit Langem herausgearbeitet. Grund genug, zu einem Erfahrungsaustausch einzuladen. Im Mittelpunkt standen bei diesem ersten Branchentreffen Fragen der Digitalisierung, des Datenschutzes und der Compliance im Gesundheitswesen.

Den Auftakt machte Prof. Dr. Tobias Gantner. In seinem Keynote-Vortrag „Nahtlosigkeit fürchtet in der Medizin nur der Chirurg“ eröffnete er einen ungewöhnlichen Blick in die Zukunft. Der digitale Wandel wird vieles auf den Kopf stellen. Die Beziehungen zwischen Produkten, Dienstleistungen, Patienten, Ärzten und Technik werden sich von Grund auf ändern, so lautet seine Prognose. Ein gutes Beispiel ist die Apple Watch. Deren EKG-App ist in den USA schon heute zugelassen. Damit kann der Träger einer solchen Uhr also jederzeit die Aktivität seines Herzmuskels messen. Andere Geräte werden es Patienten ermöglichen, Labor- und Vitalwerte zu Hause zu erfassen und mit dem behandelnden Arzt zu teilen. Bestimmte Messungen werden damit zukünftig nicht mehr zwangsläufig in der Arztpraxis durchgeführt. Darin sieht Gantner durchaus eine Chance, um den drohenden Ärztemangel in ländlichen Regionen zu lindern. Das größte Problem bei der Digitalisierung bestehe darin, deren Chancen zu ignorieren. Denn: „Die Patienten werden sie einfordern.“ Und wer Lösungen für die Patienten anbiete, regle letztlich der Markt.

Datenschutz

Das Thema, das in den Mitgliedseinrichtungen der einladenden Verbände im vergangenen Jahr die meisten zusätzlichen Ressourcen einforderte, war das Inkrafttreten der Europäischen Datenschutzgrundverordnung. Wolfgang Hahn von der Zahnärztlichen Abrechnungsgesellschaft berichtete aus der Umstellungspraxis. Dabei zeigte sich, dass noch längst nicht alle Fragen rund um die Vertragsgestaltung, die Abgrenzung zwischen Auftragsdatenverarbeitung und der Tätigkeit als Verantwortlichem für die Datenverarbeitung abschließend geklärt sind. Aus Sicht der PVS rückt mit der Datenschutzgrundverordnung vor allem die Frage in den Fokus, ob es nach wie vor notwendig ist, dass die Patienten explizit in die Weitergabe der Daten an die Privatärztlichen Verrechnungsstellen zum Zweck der Honorarabrechnung einwilligen. Dr. Tim Arenz, Vorstand der PVS Baden-Württemberg, sieht diese Notwendigkeit im ambulanten Bereich nicht mehr als zwingend gegeben. Diese Frage wird mit den Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern diskutiert werden müssen.

Anti-Korruptionsgesetz

Zum Juni 2016 trat das Gesetz zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen in Kraft. Auf den ersten Blick hat das mit der Branche, die sich hier zum Erfahrungsaustausch traf, wenig zu tun. Doch das täuscht. Denn Forderungen, die im Zusammenhang mit Korruption entstehen, führen auch für die mit dem Forderungs- und Abrechnungsmanagement beauftragten Unternehmen schnell zu Ärger. Die Staatsanwaltschaften gehen regelmäßig davon aus, dass bei ihnen alle Daten zu einem Verdachtsfall vorliegen und setzen hier mit ihren Untersuchungen an. Julia Bette, Fachanwältin für Medizinrecht, brachte eine gute Nachricht mit: Laut Bundeskriminalamt seien die Fallzahlen allerdings inzwischen rückläufig. Der Grund sei, dass die Unternehmen das Problem erkannt und und verschärfte Compliance-Strukturen eingeführt hätten.

Die intensiven Gespräche im Anschluss an die Vorträge machten allen Teilnehmern deutlich: Forderungsmanager, Factoring-Unternehmer und Honorarabrechner im Gesundheitswesen eint sehr viel mehr, als sie trennt.


Stabwechsel in der PVS Sachsen

Blickt man auf die alten Bundesländer, stellt man fest, dass es in nahezu jedem davon eine eigene PVS gibt. In den neuen Ländern sieht das jedoch anders aus: Nur in Sachsen existiert eine eigenständige PVS. Die PVS Sachsen GmbH wurde am 11. September 1990 gegründet, noch vor der offiziellen deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober. Die PVSen Limburg, Westfalen-Nord und Westfalen-Süd unterstützten die Gründung. Deren Geschäftsführer hatten erkannt, dass es auch in den neuen Bundesländern großen Bedarf an abrechnungstechnischer Entlastung der Ärzteschaft geben würde, und bauten folgerichtig die PVS Sachsen systematisch auf.

Mit der Übernahme der GmbH durch den PVS Sachsen e. V. im April 1998 stand die PVS Sachsen dann auf eigenen Beinen. Seit der Vereinsgründung Vorstandsmitglied, war Dr. Baumann schon damals der Impulsgeber für die gute Entwicklung des Unternehmens. Mit Helmut Reimann und dessen Nachfolger Michael Penth fand er Geschäftsführer, die die Arbeit der Gründer nicht nur verwalteten. Vielmehr entwickelten sie die PVS Sachsen entscheidend weiter und sorgten dafür, dass sie sich den Herausforderungen des Marktes gewachsen zeigte.

Dabei war die Unterstützung durch den Vorstand stets von großer Bedeutung. Dr. Baumann, ab 2002 erster Vorsitzender des PVS Sachsen e. V., war insbesondere durch sein berufspolitisches Engagement – u. a. als einer der Gründungsväter der KV Sachsen und Leiter der Dresdner Bezirksgeschäftsstelle – besonders gut vernetzt und wusste, wo die sächsische Ärzteschaft der Schuh drückt. Seine eigene Tätigkeit als Hausarzt mit dem Anspruch, für seine Patienten immer ein offenes Ohr zu haben, bestärkte ihn in seiner Überzeugung, die PVS Sachsen stabil und auf Wachstumskurs zu halten. 

Unerlässlich für ein gesundes und leistungsfähiges Unternehmen ist dessen Zukunftsfähigkeit. In Dr. Baumann hatte die PVS Sachsen einen Vorstand, der Innovationen nicht nur zuließ, sondern forderte, und damit erst ermöglichte, dass die sächsische PVS regionaler Marktführer in der privatärztlichen Honorarabrechnung wurde. Angesichts der großen Herausforderungen durch die fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen kann man die Leistung des Vorstandes nicht hoch genug schätzen.

Große Investitionen waren und sind notwendig, um den Anschluss an die technische Entwicklung nicht zu verlieren. Häufig lässt sich nur erahnen, wie groß der Nutzen ausfallen wird. Mut zum Risiko ist genauso wichtig wie kritisches Abwägen. Dr. Baumanns große Stärke war es, die Balance zwischen diesen beiden Polen zu finden. 

Und noch etwas zeichnete Dr. Baumann aus: das Wissen, dass in einem komplexen, sich in stetigem Wandel befindlichen Umfeld wie der ärztlichen Leistungsabrechnung Kontinuität und zufriedene Mitarbeiter entscheidende Erfolgsfaktoren sind. Er selbst gab mit seiner 27 Jahre währenden Vorstandstätigkeit das beste Beispiel. Ebenso wichtig war jedoch, dass es bei Geschäftsführung und Belegschaft kaum Fluktuation gab. Das Wohl der Mitarbeiter lag Dr. Baumann und dem Vorstand stets am Herzen, was sich unter anderem am regelmäßigen Lob und Dank für die geleistete Arbeit zeigte. Auch die Anwesenheit bei Betriebsausflügen und allgemeine Nahbarkeit trugen ihren Teil dazu bei, ein positives Betriebsklima zu schaffen und eine außerordentlich hohe Identifikation der Belegschaft mit „ihrer“ PVS zu erreichen.

„Besser hätte es kaum sein können. Doch ich bin zuversichtlich, dass die Zukunft genauso erfolgreich sein wird.“ Mit diesen Worten schloss Michael Penth seine Rede zum Abschied von Dr. Baumann. Die Nachfolge im Amt des ersten Vorsitzenden hat im Herbst letzten Jahres Dr. Eckhard Meisel angetreten. Dr. Meisel ist bereits seit 2002 Mitglied des Vorstandes. Er praktiziert als Kardiologe in Dresden.

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