„Warum sind Jungärzte solche Praxismuffel?“, fragte die FAZ kürzlich. Damit griff sie das Ergebnis einer Umfrage der Universität Trier unter rund 15 % der Medizinstudierenden auf. Von denen könne sich nur noch rund die Hälfte vorstellen, sich in einer eigenen Praxis niederzulassen.

Nun sind Medizinstudenten keine „Jungärzte“, die konkret vor der Entscheidung über ihren künftigen Arbeitsplatz stehen. Vor ihnen liegen bis dahin noch einige Semester an der Universität, die Zeit als PJler, die Weiterbildung zum Facharzt und die ersten Schritte als Stationsarzt. 

Allerdings gibt es zweifellos den Trend, als angestellter Arzt tätig zu sein. 15 % der Hausärzte sind mittlerweile Angestellte, bei den Fachärzten ist es jeder vierte. Rund 2.500 MVZ, mit mehr als 17.000 angestellten Ärzten sind fester Bestandteil der Versorgungslandschaft geworden und zunehmend sind es Finanzinvestoren, die hinter der Gründung von MVZ-Ketten stehen. Setzt sich diese Entwicklung fort, könnte, so steht es zu befürchten, ein renditeorientiertes Versorgungsangebot den freiberuflichen Arzt und die patientenorientierte Medizin verdrängen.

Die jüngsten Eingriffe des Gesetzgebers in die Praxisorganisation werfen die Frage auf, ob man als Kassenarzt inzwischen Angestellter des Staates ist.

Damit das nicht passiert, müssen wir die Wünsche der nachfolgenden Ärztegeneration ernst nehmen. Im Vordergrund stehen da die Förderung kooperativer Arbeitsformen und das Angebot lebensphasenorientierter Arbeitszeitgestaltung. Hier ist schon vieles in Bewegung geraten, neue Möglichkeiten der Berufsausübung sind geschaffen worden. Dennoch muss die Politik sich den Vorwurf gefallen lassen, selbst die Axt an die ambulante Versorgung durch freiberuflich tätige Ärzte in der Niederlassung zu legen. Budgetierung, EBM und die ewige Diskussion um die Bürgerversicherung gehen auf Kosten der Planungssicherheit, die für den Schritt in die Niederlassung unerlässlich sind. Der bürokratische Aufwand spricht für sich und die jüngsten Eingriffe des Gesetzgebers in die Praxisorganisation werfen die Frage auf, ob man als Kassenarzt inzwischen Angestellter des Staates ist. Hier hilft nur ein radikaler Kurswechsel. Sonst wird es niemandem mehr gelingen, junge Kollegen für die Niederlassung zu begeistern. Die wohnortnahe Versorgung durch freiberufliche Praxen wird Vergangenheit sein. Das kann niemand wollen.

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