Praxis & Recht

Mehr verdienen im Midijob


Midijobs  Ab Juli können Midijobber bis zu 1.300 Euro verdienen. Dadurch profitieren künftig mehr Arbeitnehmer von günstigeren Sozialabgaben und erwerben trotzdem volle Rentenansprüche.


Text: Ulrike Scholderer

Rund die Hälfte aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Arztpraxen arbeiten in Teilzeit. Für diejenigen, die zurzeit bis zu 850 Euro monatlich verdienen, könnte die zum Juli in Kraft tretende Neuregelung der Midijobs Anreize schaffen, mehr zu arbeiten.

Durch diesen Übergangsbereich wird vermieden, dass der vom Arbeitnehmer zu zahlende Anteil an den Sozialversicherungsbeiträgen abrupt ansteigt.

Arbeitnehmer mit einem Gehalt von bis zu 850 Euro – die Midijobber – gehören zur Gruppe der Geringverdiener. Ihr Arbeitsentgelt liegt über 450 Euro und ist damit sozialversicherungspflichtig. Allerdings zahlen sie einen reduzierten Beitrag zu Sozialversicherung. Eingeführt wurde diese Regelung im Rahmen der Hartz-Gesetze von der damaligen rot-grünen Bundesregierung. Mit Beginn des Jahres ist jetzt das Gesetz über Leistungsverbesserungen und Stabilisierung in der gesetzlichen Rentenversicherung in Kraft getreten. Es bringt für Midijobber ab Juli zwei entscheidende Änderungen: Die bisherige Gleitzone zwischen 450,01 und 850 Euro, in der die Arbeitnehmer verringerte Sozialversicherungsbeiträge zahlen, wird zu einem sozialversicherungsrechtlichen Übergangsbereich bis zu einer Grenze von 1.300 Euro weiterentwickelt.

Für Sie zusammengefasst

1. Gleitzone wird auf ein maximales Monatsgehalt von 1.300 Euro erweitert
2. Verringerte Sozialabgaben
3. Gleiche Rentenansprüche wie bei voller Beitragszahlung
4. Zu beachten: Einmalzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld werden mitberechnet

Durch diesen Übergangsbereich wird vermieden, dass der vom Arbeitnehmer zu zahlende Anteil an den Sozialversicherungsbeiträgen abrupt ansteigt. Es werden also für den Arbeitnehmer beim Überschreiten der 450-Euro-Grenze nicht sofort die vollen ca. 20 Prozent für die Sozialversicherungsbeiträge fällig, sondern sein Anteil steigt progressiv an. Zudem sollen Midijobber künftig die gleichen Rentenansprüche erwerben, die sie erworben hätten, wenn sie den vollen Beitrag in die Rentenversicherung eingezahlt hätten. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales geht davon aus, dass etwa 3,5 Millionen Beschäftigte von den Neuregelungen profitieren werden.

Beitragsberechnung

Mithilfe einer gesetzlich festgelegten Formel wird für die Beitragsberechnung im Midijob eine verringerte beitragspflichtige Einnahme errechnet. Diese Einnahme entspricht nicht dem tatsächlichen Arbeitsentgelt. Die Beitragsverteilung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer erfolgt dann für jeden Versicherungszweig in drei Schritten:

  • Berechnung des Gesamtbeitrages auf Basis der ermittelten reduzierten beitragspflichtigen Einnahme;
  • Berechnung des Beitragsanteils des Arbeitgebers, Grundlage ist hier das  tatsächliche Arbeitsentgelt;
  • für die Berechnung des Arbeitnehmeranteils wird der Arbeitgeberanteil vom im ersten Schritt berechneten Gesamtbeitrag abgezogen.

Der Arbeitnehmeranteil steigt mit dem Arbeitsentgelt in der Übergangszone progressiv an. Sobald der Betroffene mehr als 1.300 Euro im Monat verdient, zahlt er die üblichen Arbeitnehmeranteile. Grundsätzlich galt für Midijobs seit ihrer Einführung im Jahr 2003, dass die Geldleistungen der Kranken- und Arbeitslosenversicherung, soweit sie von der Höhe des Entgelts abhängig sind, trotz der verminderten Beitragszahlung aus dem tatsächlichen Entgelt berechnet werden. Für die Rentenversicherung wird dies jetzt nachgeholt.

Regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt

Ob die Übergangszonenregelung angewendet werden kann, ist davon abhängig, wie hoch das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt ist. Als regelmäßig gilt das Arbeitsentgelt, wenn der Anspruch darauf insbesondere aus einem Arbeits- und Tarifvertrag oder einem aus der Vergangenheit resultierenden „Gewohnheitsrecht“ erwächst. Zu beachten ist, dass auch Einmalzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld zu berücksichtigen sind, wenn diese zusätzlichen Zahlungen mindestens einmal im Jahr zu erwarten sind.

Wen entlasten die neuen Regelungen?

Im Fokus der Neuregelungen stehen Arbeitnehmer, die heute zwischen 850 und 1.300 Euro verdienen. Ab 850 Euro monatlich werden die Arbeitnehmer aktuell mit Sozialversicherungsbeiträgen in voller Höhe, also rund 20 Prozent, belastet. Ab Juli wird ihr Anteil bei derselben Vergütung unter 18 Prozent liegen. Die volle Abgabenlast trifft Arbeitnehmer dann erst bei einem monatlichen Arbeitsentgelt von 1.300 Euro. Allerdings können die Regelungen zum Übergangsbereich nicht ausnahmslos auf alle Arbeitnehmer angewendet werden. Ausgenommen sind alle diejenigen, deren Arbeitsentgelt aus besonderen Umständen oder durch eine Berufsausbildung in die Übergangszone fallen. Dazu gehören insbesondere Arbeitnehmer, die zum Zweck der Berufsausbildung beschäftigt sind, in Altersteilzeit arbeiten oder sich in einer Wiedereingliederungsmaßnahme nach Arbeitsunfähigkeit befinden.

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