Much ado about nothing? Das scheint die Einschätzung der Bundesregierung zu sein, wenn es um die Warnungen der Zahnärzteschaft vor MVZ-Ketten in Hand von Private-Equity-Gesellschaften geht. Im Kabinettsentwurf zum Terminservice- und Versorgungsgesetz haben die Befürchtungen der Zahnärzte keinen Niederschlag gefunden. Um den Einfluss von Kapitalinvestoren zu begrenzen, soll allein die Gründungsmöglichkeit nicht-ärztlicher Dialyseeinrichtungen auf fachbezogene MVZs beschränkt werden. Der Gesundheitsausschuss des Bundesrates sieht das schon kritischer. Er hat Vorschläge vorgelegt, um Monopolisierungstendenzen zu begegnen. Denn es geht schon lange nicht mehr nur um Zahnärzte. Auch andere skalierbare Fachrichtungen wie Radiologie und Augenheilkunde werden bereits intensiv gehandelt. 

Uns muss klar sein, was auf dem Spiel steht: die freiberufliche Berufsausübung.

Private-Equity-Gesellschaften kaufen und verkaufen. Das ist ihr Geschäftsmodell. Nun nehmen sie die ambulante medizinische Versorgung in Deutschland ins Visier. Das GKV-System lässt das Risiko gegen Null gehen. Zudem verspricht die demographische Entwicklung in unserem Land hohe Renditen. Die Suche der Investoren nach gewinnbringenden Konzepten trifft auf eine ambulante Versorgungslandschaft im Umbruch. Zum einen werden die Investitionskosten für eine Praxis immer höher, zum anderen unterscheiden sich die Lebensvorstellungen vieler junger Ärztinnen und Ärzte von der ihrer Eltern- und Großelterngeneration. Unstrittig ist, dass Arztpraxen für eine gute Medizin Investitionen brauchen. Strittig ist, wer investieren darf oder soll. Investieren Private-Equity-Gesellschaften, liegt die Annahme nahe, dass in die Behandlungsempfehlungen Überlegungen einfließen, die nicht nur dem individuellen Patientenbedarf geschuldet sind. Wollen motivierte junge Ärztinnen und Ärzte investieren, fragen die Banken nach Sicherheit. Die seit vielen Jahren schwelende Diskussion um die Einführung einer Bürgerversicherung steht der Finanzierungsbereitschaft der Banken im Wege. Uns muss klar sein, was auf dem Spiel steht: die freiberufliche Berufsausübung. Deren Grundpfeiler sind Weisungsunabhängigkeit und Gemeinwohlauftrag. Die große Aufgabe besteht darin, eine zukunftsorientierte Medizin und die Freiberuflichkeit des Arztberufes gemeinsam als Wegweiser zu nehmen. Der Vorstoß der Bundeszahnärztekammer, Kapitalgesellschaften zu Pflichtmitgliedern der Kammern zu machen, ist ein Denkanstoß in die richtige Richtung.

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