Abrechnung

Einfach oder ausführlich?


Abrechnung  Die Gebührenordnung differenziert zwischen einfachen und ausführlichen Berichten. Doch was unterscheidet die Berichtsformen und wann können Berichte als eigenständige Leistungen abgerechnet werden? Ein tiefer Blick in die GOÄ sorgt für Klarheit.


Text: Andrea Adams

Die Anforderungen an die unterschiedlichen Berichte ist der Leistungslegende der GOÄ-Ziffern Abschnitts B VI „Berichte, Briefe“ einschließlich der Anmerkungen sowie den Allgemeinen Bestimmungen des Abschnitt M, 1., Satz 2 und Abschnitts O, Satz 3 zu entnehmen.

Eine Befundmitteilung oder ein einfacher Befundbericht sind mit der Gebühr für die zugrunde liegende Leistung abgegolten. Ein Analogabgriff mit der Ziffer 70 oder 75 GOÄ ist nicht erlaubt.

Die Ziffer 70 GOÄ umfasst ausschließlich kurze Bescheinigungen, kurze Zeugnisse oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Geht die Bescheinigung über den Umfang einer regulären kurzen Bescheinigung hinaus, so kann dies über den Steigerungssatz der Ziffer 70 GOÄ (max. 3,5) berücksichtigt werden. Wird mehr als eine Bescheinigung ausgestellt, so ist die Ziffer 70 GOÄ je Bescheinigung/Zeugnis/Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung berechnungsfähig. 

Eine Ausnahme für den Analogabgriff der Ziffer 70 GOÄ besteht beim vorläufigen Bericht aus stationärer Entlassung. Diesen Bericht hat die Bundesärztekammer in ihre Empfehlungen für „Analoge Bewertungen“ mit der Ziffer A72 aufgenommen. Der vorläufige Entlassbericht enthält in der Regel Mitteilungen über die im Krankenhaus durchgeführte Therapie und weitere Therapieempfehlungen. 

Der Leistungstext der Ziffer 75 lautet: „Ausführlicher schriftlicher Krankheits- und Befundbericht (einschließlich Angaben zur Anamnese, zur dem(n) Befund(en), zur epikritischen Bewertung und gegebenenfalls zur Therapie).“ Zur Berechnung der Ziffer 75 GOÄ sind zwingend Angaben zur Anamnese, zu den Befunden und zur epikritischen Bewertung erforderlich. Das Kriterium für den Ansatz der Ziffer 75 ist nicht die absolute Länge des Textes, sondern die Vollständigkeit des durch die Leistungslegende geforderten Inhalts. Fehlt eine dieser Mindestvoraussetzungen, so ist der Leistungsinhalt nicht erfüllt und die Ziffer 75 kann nicht, auch nicht analog oder mit reduziertem Faktor, angesetzt werden. 

Es ist nicht allgemein bekannt, dass schon für die Berechnung des 1,0-fachen Satzes einer Gebührenziffer der Leistungsinhalt in allen Punkten erfüllt sein muss. Durch die Wahl eines unter dem Schwellenwert liegenden Faktors (< 1,8 oder < 2,3) wird der Mangel eines fehlenden Leistungskriteriums nicht geheilt. Aufwändige Abwägungen und „Diskussionen“ innerhalb eines ausführlichen Krankheits- und Befundberichtes bei beispielsweise schwierigen Krankheitsbildern oder Differentialdiagnosen, oder Verfassen des Briefes z. B. in englischer Sprache, können Kriterien für die Überschreitung des Mittelwertes sein. Dies bedeutet, dass ein höherer Steigerungssatz bis maximal zum 3,5-fachen möglich ist. Bei Versand einer kurzen Bescheinigung oder eines Zeugnisses, einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung oder eines ausführlichen Krankheits- und Befundberichtes per Post kann zusätzlich zur Gebührenziffer 70 oder 75 das Porto in Rechnung gestellt werden.

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