Praxisfinanzen

Der Wert des Goldes

© unsplash/rawpixel

Versicherungen  Wer als Arzt das Abenteuer eigene Praxis wagt, sollte seine wirtschaftliche Existenz nicht fahrlässig aufs Spiel setzen. Neben Pflichtversicherungen, wie etwa der Berufshaftpflichtversicherung, gibt es einige weitere, die für niedergelassene Ärzte ein absolutes Muss darstellen. Eins haben sie alle gemeinsam: Sie decken die existenzbedrohenden Bereiche ab.


Text: Anne Nürnberger

Gold schien immer eine sichere Sache. Und war gefragt, wenn Banken schwankten, in Zeiten von Krieg, Krise und Inflationsangst. Eine solche Krise hält nun schon länger an. Und dennoch hat Gold seit 2011 so gut wie keine Rendite mehr gebracht. Der Preis des Edelmetalls sank gegen Dollar und Euro so beständig, dass Spekulanten schon auf seinen weiteren Verfall wetteten und so den Abwärtstrend noch anheizten. 

Wenn Immobilienpreise explodieren und die sogenannten FANG-Aktien (der Tech-Riesen Facebook, Amazon, Netflix, Google) scheinbar grenzenloses Wachstum verheißen und mit einem Gesamtwert von 1,6 Billionen Dollar an der Börse alle Indizes abhängen, erscheint die Gold-Anlage plötzlich unberechenbar – gleichsam wie aus der Zeit gefallen.

Dabei hat sich eigentlich gar nichts geändert. Seit Tausenden von Jahren ist Gold der Maßstab für Wert – obwohl es eigentlich niemand wirklich braucht. Dennoch ist es ein Fixpunkt, über den sich die Menschen weltweit immer einig waren. Seine Universalität liegt dabei neben Glanz und Beständigkeit auch darin, dass es überall auf der Erde vorkommt, aber nicht leicht zu gewinnen ist.

Wenn man alles Gold der Welt zusammenzählt, also 190.568,7 Tonnen, dann kommt man auf einen Wert von mehr als sechs Billionen Euro. Eine Summe, für die ganz Deutschland mehr als zwei Jahre braucht, um sie zu erwirtschaften. Dabei steckt dieser Schatz in einem vergleichsweisen kompakten Würfel mit einer Seitenlänge von jeweils 21 Metern. Auch diese Qualität, einen nahezu unverwüstlichen hohen Wert auf kleinem Raum physisch vorhalten zu können, macht Gold so greifbar attraktiv.

Robert Hartmann ist Gründer und Geschäftsführer von pro aurum, Deutschlands größtem bankenunabhängigen Edelmetallhaus  © pro aurum

Warum also zieht der Goldpreis aktuell nicht so an, wie es erwartbar wäre?

Als „Bremsklotz“ für den Goldpreis hätten sich zweifellos die Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed erwiesen, so die Einschätzung von Robert Hartmann, Gründer und Geschäftsführer von Deutschlands größtem bankenunabhängigen Edelmetallhaus pro aurum. Aber: Die US-Notenbank hätte auch damit begonnen, Anleihen aus ihrem Portfolio zu verkaufen. Zeitgleich hätte die EZB ihre Anleihekäufe reduziert. Kurz: Dem Markt wird Liquidität in großem Stil entzogen. Und so wagt Hartmann die Prognose, dass die Jahre 2019 und 2020 eher keine guten Jahrgänge an den Aktienbörsen in Europa und den USA in Aussicht stellen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Anleger in einer solchen Marktsituation umschichten, liegt nahe. Nicht nur die Privaten, auch die Institutionellen. Die Analysten des World Gold Council haben ermittelt, dass die Notenbanken in der ersten Jahreshälfte 2018 etwa ein Zehntel der globalen Goldnachfrage repräsentieren. Hauptargument für diese Goldkäufe dürfte hier die Diversifizierung des Reserveportfolios sein. 

Goldexperte Hartmann: „Die Analysten wundern sich, weil angesichts des fundamentalen Umfelds ja der Goldpreis, sowohl gegen Dollar als auch gegen Euro, höher stehen könnte und ich pflichte dem auch bei.“ Aber auf kurze Sicht dominiere eben der Papiergoldmarkt das Geschehen. „Hier findet aktuell die Preisfindung statt. Doch je mehr physisches Gold dem Markt über Käufe von Investoren und Notenbanken entzogen wird, desto stärker schwindet die Macht der Spekulanten, den Preis über den Verkauf von Futures-Kontrakten zu drücken.“

Deshalb sei vorstellbar, dass der Goldpreis in den nächsten Monaten einen Boden ausbilde und sich in den nächsten vier bis fünf Jahren gut entwickeln könne. „Wenn man sich mit dem Markt auseinandersetzt, kann man strategisch agieren.“ 

„Strategisch“ heißt auch, sich bewusst zu machen, welchen Platz Gold in einem Anlegerportfolio einnehmen sollte. Und dass es für Gold im Regelfall einen sehr langfristigen Anlagehorizont braucht.

„Gold ist zwar als stabile Wertanlage gefragt“, sagt Tanja Beller, Sprecherin des Bundesverbandes deutscher Banken, „aber was sich viele nicht bewusst machen, ist, dass der Goldpreis erheblichen Schwankungen unterliegt.“ Mit fast 1300 Euro für eine Feinunze Gold (31,1 g) im Jahresdurchschnitt sei 2012 ein Rekord erreicht worden. „In den folgenden Jahren sackte der Goldpreis ab. Dennoch ist er aktuell immer noch mehr als dreimal so hoch wie vor 15 Jahren.“

Tanja Beller ist Sprecherin des Bundesverbandes deutscher Banken.  © Die Hoffotografen

„Was sich viele nicht bewusst machen, ist, dass der Goldpreis erheblichen Schwankungen unterliegt.“

Fünf bis maximal zehn Prozent Gold gehören ins Anlageportfolio

Anleger sollten im Rahmen einer breit aufgestellten Vermögensstreuung auch Gold berücksichtigen, aber nicht zu einseitig auf das edle Metall setzen, so Beller. In der Regel würde dazu geraten, je nach persönlicher Einstellung dem Vermögen etwa fünf bis maximal zehn Prozent Gold beizumischen. 

Im September hat pro aurum seine Kunden gefragt, wie es um ihre Gold-Kaufbereitschaft stehe. Und diese stieg demnach gegenüber dem Vormonat von 47,6 auf 58,2 Prozent. Und auch CoinInvest, einer von Europas führenden Online-Edelmetallhändlern mit Sitz in Frankfurt, meldet eine spürbar anziehende Nachfrage. 

CoinInvest Geschäftsführer Daniel Marburger: „Wir haben aktuell zwar mehr Verkäufer als Käufer – aber mehr auf der institutionellen Seite. Immer wenn der Goldpreis fällt, ist es so, dass die privaten Käufer zwar wirklich aktiv werden, aber keine Chance gegen institutionelle Verkäufer haben, die dann auf „Gold Short“ gehen, also Goldpositionen verkaufen.“

Tatsächlich sei die private Nachfrage aktuell sehr, sehr gut. Je tiefer der Goldpreis gefallen sei, umso mehr Nachfrage hätte CoinInvest verzeichnen können. „Es klingt verrückt, aber antizyklisch investieren ist bei Gold sehr gefragt. Je günstiger der Preis, desto besser, um eben eine Position aufzustocken oder sich erst einmal einen Grundstock zu legen.“

Goldmünzen

Die Größte
© Gordon Makryllos

 

1.012 Kilogramm – So viel wiegt die größte Goldmünze der Welt: Red Kangaroo 2012. Sie hat einen Durchmesser von 80 Zentimetern und ist 12 Zentimeter dick. Als offizielles Zahlungsmittel hat sie einen Nennwert von 700.000 Euro, das Gold selbst ist rund 37,6 Millionen Euro wert.

Die Teuerste
© National Numismatic Collection, National Muse

 

Die aktuell teuerste Goldmünze am Markt, die tatsächlich auch verkauft wurde, ist die Double Eagle von 1933, die 2002 bei Sotheby’s für 7.590.020 Dollar versteigert wurde. Zwar waren 1933 insgesamt 445.000 dieser Münzen geprägt worden. Doch dann erließ die US-Regierung ein Verbot für privaten Goldbesitz, bevor sie in Umlauf kamen, und befahl, alle einzuschmelzen. Nur diese eine tauchte wieder auf …

Nirgendwo in Europa investieren so viele Menschen in Gold wie in Deutschland

„Deutschland ist das Land mit den meisten Goldinvestoren in Europa“, sagt Marburger. Das Land sei durch die zwei Inflationen der Vergangenheit geprägt. Bei den Krügerrand-Münzen sei Deutschland mit 80 Prozent Absatz der größte Abnehmer außerhalb Südafrikas.

„Bei den Käufern sehen wir alle Altersklassen, alle Berufsgruppen und alle sozialen Schichten“, beobachtet Robert Hartmann von pro aurum. Die Rolle des Goldes im Vermögensportfolio sei eben auch so ein Versicherungscharakter für das angesparte Kapital. 

Und dann erzählt er die Geschichte von einem Kunden aus den neuen Bundesländern, dessen Familie nach den Kriegswirren geflohen war und eine Blechkiste mit drei Kilo Gold und ein paar Tausend Reichsmark vergraben hatte. Wie er in diese Kiste blickte, mit Goldbarren, denen die Zeit nichts hatte anhaben konnte, und übelriechenden, vermoderten Scheinen. „70 Jahre nach dem Krieg war das Gold noch etwas wert – und das Geld eben nicht.“

Daniel Marburger ist Geschäftsführer bei CoinInvest.  © Wonge Bergmann

„90 Prozent unserer Kunden wollen ihr Edelmetall wirklich in der Hand halten und es in eigenem Besitz haben, da sie sehr wenig Vertrauen in das Bankensystem haben.“

Was man über Nebenkosten, Reinheitsgrade und Lagerung wissen sollte

Welche Kosten muss man beim Goldkauf einkalkulieren? Generell gilt: Barren sind, wenn man etwas mehr investieren kann, eine bessere Wahl als Münzen. Denn die Gewinnspanne, die der Händler beim Verkauf einbehält, ist bei großen Goldmengen prozentual gesehen am geringsten. Um 1,3 Prozent (Barren) und 2,75 Prozent (Krügerrand-Münze) liegen solche Aufschläge zum Beispiel bei CoinInvest. 

Es ist ratsam, auf weltweit anerkannte Anlagemünzen (wie z. B. Krügerrand, Maple Leaf, Australian Nugget/Kangaroo, Wiener Philharmoniker oder American Eagle) zu setzen. Und auf Goldbarren von Anbietern, die von der Londoner Bullion Market Association zertifiziert sind. 

Ebenfalls wissenswert: Gängige Goldbarren und Goldmünzen sind für Privatkunden in Deutschland von der Umsatzsteuer befreit. Wer Gold länger als ein Jahr besitzt, darf sich beim Verkauf auch über steuerfreie Gewinne freuen. 

Dazu kommen gegebenenfalls Kosten für die Lagerung – zwischen 0,75 und 0,3 Prozent je nach Lagermenge, weil die Ware im Depot natürlich vollumfänglich versichert sein muss.

Tatsächlich nutzen gar nicht so viele Goldkäufer eine externe Lagerung. „90 Prozent unserer Kunden wollen ihr Edelmetall wirklich in der Hand halten und es in eigenem Besitz haben, da sie sehr wenig Vertrauen in das Bankensystem haben“, berichtet Daniel Marburger. „Wir haben schon alles erlebt – vom Vergraben im Garten bis zum Zementieren hinter der Badewanne.“

Wem das alles zu kompliziert erscheint, der kann in Xetra-Gold investieren. Dieses Finanzprodukt der Deutschen Börse ist eine Inhaber-Schuldverschreibung, die dem Investor das Recht auf ein Gramm Gold verbrieft. Das physische Pendant des Wertpapiers liegt in einem Tresor und kann auf Wunsch des Anlegers auch ausgeliefert werden.

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