„Wir müssen aufhören, uns als Erziehungsberechtigte des Patienten aufzuspielen.“ Mit diesem Satz überraschte Dr. Gottfried Ludewig, Leiter der neu geschaffenen Abteilung Digitalisierung und Innovation im Bundesgesundheitsministerium, unlängst in einem Interview mit der "Ärzte Zeitung". Dieser Satz überrascht, weil die Gesundheitspolitik der letzten Jahre, ja Jahrzehnte nichts anderes atmete als den Geist der zunehmenden Entmündigung der Versicherten durch den Staat. Überspitzt formuliert wird der Patient im System behandelt. Fragen der Restrukturierung von Finanzierungs-, Vergütungs- und Versorgungsstrukturen haben die Patientenorientierung ins Abseits gedrängt.

Das ist die große Chance, unser Gesundheitssystem neu zu fokussieren – zu fokussieren auf den Patienten

Um so mehr lässt Ludewigs Äußerung aufhorchen. Offensichtlich beginnt die Politik, umzudenken. Dank der Digitalisierung. Genauer: Dem Smartphone sei Dank. Es löst im Gesundheitswesen nicht mehr und nicht weniger aus als eine Revolution. Eine „Revolution von unten“ gewissermaßen, in der Logik der Politik. Der Patient ist plötzlich in der Lage, seine Gesundheitsdaten einzusehen, zu speichern und zu verwalten. Er hält sie wortwörtlich in den Händen. Und er selbst kann Gesundheitsdaten erfassen, sich beobachten, kontrollieren. Aus der passiven Rolle des behandelten Patienten wird eine aktive. Er ist unmittelbar eingebunden, macht mit. Das ist die große Chance, unser Gesundheitssystem neu zu fokussieren – zu fokussieren auf den Patienten. Und genau das ist notwendig. Medizin funktioniert nicht über den Kopf des Patienten hinweg. Der Patient muss aktiv in das Behandlungsgeschehen eingebunden sein, eigenverantwortlich handeln können. Digitalisierung ist zweifellos ein schwieriger Prozess, den wir Schritt für Schritt gehen müssen. Der bestmögliche Datenschutz ein sine qua non. Digitalisierung ist aber auch ein Schlüssel zur Verbesserung der Qualitätssicherung. Vor allem aber hilft sie, Patientenorientierung im Zielsystem der Gesundheitsversorgung zu verankern und den Patienten zum Souverän zu machen.

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