Praxisfinanzen

Finanzspritzen für Digital Health


Geldanlage Junge Gründer im Gesundheits-IT-Sektor arbeiten vorwiegend mit Investorengeldern: Risikokapitalfirmen, Pharmakonzerne oder Versicherungen gehören zu den Finanzgebern. Künftig können aber auch Privatanleger in Digital Health investieren.


Text: Conny Meissner

Ärzte mögen Start-ups, und sie möchten in der Digitalisierung der Medizin mitmischen. Das will der Internetverband Bitkom jüngst herausgefunden haben. „Die Medizin der Zukunft wird heute nicht mehr ausschließlich mit Reagenzglas und Mikroskop erforscht, es geht um Sensoren, künstliche Intelligenz und Codes“, sagt Verbandschef Bernhard Rohleder. Bei dieser Entwicklung wollen Ärzte sich einbringen, zum Beispiel als medizinische Berater junger Gründerunternehmen – das können sich laut einer Bitkom-Studie etwa 38 Prozent der Ärzte vorstellen. Aber auch finanziell sieht sich mancher Mediziner als möglicher Unterstützer: Für rund jeden fünften Arzt wäre es denkbar, in Digital Health, etwa in Start-ups, zu investieren.

Einige der Start-up-Firmen, die Programme oder Lösungen für den Gesundheitssektor anbieten, werden – wie viele andere Gründerunternehmen auch – über professionelle Beteiligungsgesellschaften finanziert. Auf dem internationalen Finanzparkett sind Risikokapitalfirmen wie Rock Health, Khosla Ventures und Qualcomm Ventures die aktivsten Geldgeber für Gesundheits-Start-ups, wie der US-Finanzmarktbeobachter CB Insights ermittelte. Aber auch deutsche oder österreichische Health-Start-ups arbeiten mit Investorengeldern: So brachte das Berliner Investorenhaus Digital Health Ventures den Anbieter der Fitness-App „Yas“ mit Startkapital zum Laufen und agierte zuletzt als Hauptinvestor von „Selfapy“, einem Online-Therapieprogramm für depressive Patienten. Mit der Finanzspritze sollen der Aufbau von Kursen, die technische Umsetzung und die Vermarktung unterstützt werden, hieß es anlässlich der Bekanntgabe der Partnerschaft.

Ebenfalls unter den Investoren: Pharma und Versicherungen

Auch das private Finanzunternehmen Peppermint VenturePartners fokussiert sich auf junge Unternehmen im Gesundheitswesen, ist hier aber vor allem an der Schnittstelle zwischen Medizintechnik und Digital Health interessiert: Emperra, eine Firma, die Lösungen für das Diabetes-Selbstmanagement anbietet, gehört ebenso ins Förderportfolio der Berliner Geldgeber wie Miracor Medical Systems, ein österreichisches Medtech-Start-up, das mithilfe einer neuen Technologie einen neuen Pflegestandard bei der Behandlung von Herzerkrankungen wie Herzinfarkt und Herzversagen etablieren will.

Daneben investieren auch Pharmakonzerne wie Roche oder Bayer in Start-ups: Letzterer etwa über sein Programm „Grants4Apps“, bei dem Gründer aus verschiedenen Ländern sowohl Kapital als auch Büroplätze und Mentoren-Coaching erhalten. Und Roche machte jüngst Schlagzeilen mit der Übernahme von mySugr, Anbieter einer Diabetes-App, den der Schweizer Pharmakonzern bereits seit Jahren unterstützt hatte: Für einen Kaufpreis zwischen 70 und 200 Millionen Euro, so wird kolportiert, wechselte das Start-up Ende Juni den Eigentümer. Und nicht zuletzt hat auch die Versicherungswelt die digitalen Gesundheitsanwendungen entdeckt: So engagiert sich Allianz X, der Accelerator des gleichnamigen Assekuranzhauses, beim Selbstvermessungsdienst Bodylabs.

Jetzt auch für Privatanleger

Digital Health, das machen all diese Finanzierungsaktivitäten und Marktbewegungen klar, wird als Wirtschaftssegment der Zukunft gehandelt. „Der Umsatz mit Digital Health wird bis 2020 um rund 20 Prozent pro Jahr auf über 230 Milliarden US-Dollar wachsen“, so die Prognose der Deutsche Ärzte- und Apothekerbank (Apobank). Durch die Verschmelzung von IT und Medizin entstünden zum Teil „völlig neue Wettbewerber, Geschäftsmodelle und Märkte“, prophezeit das auf Heilberufler spezialisierte Geldinstitut – und wittert bereits den „Beginn einer neuen Ära“.Doch gerade für Privatanleger sei es nach Aussage der Bank bislang schwierig gewesen, in dieses Segment zu investieren. Ein Umstand, den das Finanzhaus nun ändern will: Anfang Juni brachte Apo Asset Management, eine Tochter von Apobank und Deutscher Ärzteversicherung, einen Fonds auf den Markt, in den auch ein breiteres Publikum seine Einlagen einbringen kann: Der Apo Digital Health Aktien Fonds (ADH) ist nach Angaben der Bank der erste in Deutschland zugelassene Publikumsfonds, der auch privaten Investoren den Markt der digitalen Medizin öffnet. Das Besondere: Sie können schon kleine Beträge anlegen, eine Mindestanlagesumme gibt es nicht, der Fonds ist zudem sparplanfähig.

Prognose: Der Umsatz mit Digital Health wird bis 2020 um rund 20 Prozent pro Jahr auf über 230 Milliarden US-Dollar wachsen.

Verantwortlich für das Anlageprodukt sind Fondsmanager, die aus vielversprechenden Unternehmen die 50 bis 60 aussichtsreichsten Kandidaten auswählen werden, so das Versprechen der Bank: „Ob Silicon Valley oder Berlin, Mobile Health oder Big Data“ – der Fächer sei sowohl geografisch als auch thematisch weit geöffnet. Fest steht aber auch: Es wird nicht in Start-ups investiert, sondern auf etablierte Unternehmen gesetzt, die bereits mit der Digitalisierung des Gesundheitssektors ihre Umsatzerlöse oder Gewinne erzielen oder die Forschung und Entwicklung in der digitalen Medizin vorantreiben. Große Branchen-Akteure sollen dabei die „stabile Basis“ schaffen und so zum Beispiel mögliche Schwankungen anderer Projekte ausgleichen helfen; daneben will der Fonds aber auch in Spezialisten investieren, in Firmen also, die sich auf ein besonders aussichtsreiches Feld konzentrieren und „ein größeres Wachstumspotenzial erwarten“ lassen. „Für den Fonds identifizieren wir Unternehmen mit besonders guten Chancen, aus der Fusion von Gesundheit und IT als Sieger hervorzugehen“, sagt Kai Brüning, der den Fonds als Senior Portfolio Manager Healthcare bei Apo Asset Management verantwortet. Dabei werde nicht auf kurzfristige Hypes gesetzt, sondern auf Unternehmen, die langfristig das größte Potenzial erkennen ließen.

Apo Asset Management investiert schon länger in Gesundheitsunternehmen, setzt dabei „nicht nur auf Pharma-Riesen“, wie eine Sprecherin sagt, sondern auch auf Bio- und Medtech-Firmen, auf Unternehmen aus Logistik und Handel sowie IT. Dass der neue Fonds nun konkret auf die digitale Medizin setzt, damit sieht sich die Apobank im Trend, immerhin investierten auch „Technologie-Riesen wie IBM, Apple oder der Google-Mutterkonzern Alphabet dafür Milliarden“. Und dass nun auch Privatanleger ihr Geld in diesen Markt setzen können, erscheint nur folgerichtig. Es müssen ja nicht gleich Milliarden sein. 

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