Abrechnung

Beratung des Patienten oder der Bezugsperson?


Abrechnung So kurz die Leistungslegende der Ziffer 4 GOÄ auch ist, führt ihre Auslegung doch immer wieder zu Schwierigkeiten. Wann Ziffer 4 neben Ziffer 1 abgerechnet werden darf, erläutert Peter Gabriel, Geschäftsführer der PVS Südwest.


Text: Peter Gabriel

Die geplante Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte soll die sprechende Medizin gegenüber den technischen Leistungen weiter aufwerten. An diesem Ziel hält die Novelle nach wie vor fest, wenn auch noch immer unklar ist, wann es eine neue GOÄ geben wird. Erklärtes Ziel der Bundesärztekammer ist es, bis zum Beginn der Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl eine mit dem PKV Verband abgestimmte GOÄ erarbeitet zu haben, die dann im Laufe der nächsten Legislaturperiode in Kraft gesetzt werden könnte. Wie dem auch sei – wir müssen uns mit der geltenden GOÄ auseinandersetzen, um herauszuarbeiten, wie Beratungen nach Ziffer 1 und 4 abgerechnet werden können.

Die Leistungslegende der Gebührenziffer 4 GOÄ lässt die Abrechnung einer intensiven Beratung der Bezugsperson des Patienten zu, sofern dies medizinisch erforderlich erscheint: „Erhebung der Fremdanamnese über einen Kranken und / oder Unterweisung und Führung der Bezugsperson(en) im Zusammenhang mit der Behandlung eines Kranken.“

Allerdings ergeben sich hier immer wieder Auslegungsprobleme, die eine Erstattung dieser Ziffern durch Beihilfestellen und private Krankenversicherungen erschwert. Daher möchten wir die Entstehungsgeschichte der seit 1996 existierenden Ziffer 4 näher beleuchten. In der Begründung hat der Verordnungsgeber der GOÄ ausgeführt, dass die Anamnese und Besprechung eines Krankheitsfalles in Zusammenarbeit mit Angehörigen oder anderen Bezugspersonen, beispielsweise bei behinderten Kindern, bewusstseinsgestörten Patienten oder Unfallpatienten, schwierig und aufwendig sein könne. Dieser Aufwand werde durch die Gebühr nach Ziffer 4 berücksichtigt. Die beispielhafte Aufzählung von Anwendungsfällen ist jedoch nicht abschließend. Das liefert einen Hinweis darauf, dass eine Auslegung, wonach die Abrechnung der Ziffer 4 bei der Behandlung von Kindern generell unzulässig wäre, nur weil hier das Gespräch immer über die Eltern oder sonstige Bezugspersonen erfolgen muss, nicht zutreffend ist. Die Rechtsprechung geht zunächst davon aus, dass eine Abrechnung der Ziffer 4 bei einer schwierigen Führung der Bezugsperson gerechtfertigt ist. Die normale Beratung ist hingegen mit der Ziffer 1 – auch bei Kindern – abgegolten.

Bei der Fremdanamnese findet Ziffer 4 Anwendung, wenn bei komplexen Krankheitsbildern eine aufwendige Fremdanamnese etwa bei den Eltern eines behandelten Kindes durchgeführt werden müsse, die vom Zeitaufwand eine deutliche Abgrenzung zu den allgemeinen Beratungen erlaube. Somit kommt es jeweils auf den konkreten medizinischen Sachverhalt im Einzelfall an. Eine Abrechnung der Ziffern 1 und 4 nebeneinander sei dann nicht möglich, wenn sich bei der Behandlung von Kleinkindern und Säuglingen sämtliche Leistungsbestandteile der Ziffern 1 und 4 (Anamnese, Beratung und Unterweisung) allein auf die Bezugsperson(en) bezögen.

Daraus ist zu folgern, dass Ziffer 1 neben Ziffer 4 abrechenbar ist, wenn das Gespräch auch mit dem jeweiligen Patienten erfolgt, beispielsweise bei Kindern ab vier Jahren, und eine Kommunikation mental möglich ist. Eine stereotypische Abrechnung der Ziffer 4 bei jedem Krankheitsfall ist von der GOÄ nicht abgedeckt. Ein außergewöhnlicher Grund muss demnach allerdings nicht vorliegen, damit die Ziffer 4 berechtigt abgerechnet werden kann.

Ein anderer Anwendungsfall der Ziffer 4 liegt vor, wenn eine Fremdanamnese oder Unterweisung einer Bezugsperson im Zusammenhang mit der Behandlung eines älteren Patienten erfolgt, der etwa an Demenz leidet. Wird die Bezugsperson, zum Beispiel der Sohn des Patienten, nach der Erkrankung und dem Verhalten des Vaters befragt, um ihm dann Ratschläge und Handlungsanweisungen geben zu können, kommt auch hier Ziffer 4 zur Anwendung. 

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