Mehr Gerechtigkeit für alle, stand auf Plakaten zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Auch für uns Ärzte? Mit Hilfe der Bürgerversicherung? Das ist purer Hohn. Zur Bürgerversicherung gehört eine einheitliche Honorarordnung, zweifellos nach EBM-Modell. Sorgt das für mehr Gerechtigkeit? Für uns heißt Bürgerversicherung: Das, was uns heute bei der Behandlung von GKV-Patienten diktiert wird, gilt dann ausnahmslos. Bürgerversicherungsgerechtigkeit ist das unbegrenzte Leistungsversprechen der Politik zum gedeckelten Festpreis auf Kosten von uns Ärzten.

„Für eine Neiddebatte ist in der Gesundheitspolitik kein Platz“, mit dieser markigen Aussage stellte Bundesgesundheitsminister Gröhe seine Position in der Diskussion um die Systemfrage klar. Chapeau! Gröhe bekennt sich zum produktiven Miteinander aus GKV und PKV, sieht die Bedeutung der PKV als Innovationstreiber. Aber ist damit alles gesagt?

Zweifellos müssen wir uns wappnen für die Diskussion um unsere Honorare.

Das Thema der ärztlichen Vergütung ist in allen politischen Lagern angekommen. Auch in der Union melden sich Stimmen zu Wort, die eine Vereinheitlichung der Gebührenordnungen fordern. Das ist leicht dahingesagt, klingt aber nur für denjenigen irgendwie plausibel, der die vielfältigen Verwerfungen des Kassenarztsystems nicht kennt. Aber wie könnte ein einheitliches Vergütungssystem aussehen? Prof. Jürgen Wasem hat eine Minimalvariante skizziert. Die bestünde in einem einheitlichen Gebührenverzeichnis. Allein das wäre ein Kraftakt, darauf weist Deutschlands Chefgesundheitsökonom ausdrücklich hin. Ein einheitliches Gebührenverzeichnis wäre in der Tat ein Kraftakt, da der EBM schlicht und einfach ein Honorarverteilungsmaßstab ist. Eine Gebührenordnung für Ärzte bildet medizinische Leistungen ab. Hier stehen Pauschalen gegen Einzelleistungsvergütungen, Preisabstaffelungen gegen eine leistungsgerechte Vergütung ärztlicher Arbeit.  

Zweifellos müssen wir uns wappnen für die Diskussion um unsere Honorare. Diese Diskussion kommt auf uns zu, mit oder ohne Bürgerversicherung. Wir brauchen nicht EBM statt GOÄ, sondern mehr GOÄ auch im EBM, mehr Kostentransparenz und Eigenverantwortung.

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