Praxisfinanzen

Renditen von der Rebe

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Sich ein paar gute Weine in den Keller zu legen, ist immer eine gute Idee. Mit dem richtigen Flaschen-Portfolio lässt sich dabei auch noch Geld verdienen …


Text: Anne Nürnberger

Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich Gedanken darüber zu machen, in Wein zu investieren. Der Klimawandel nimmt zunehmend Einfluss auf den Charakter der Trauben. Schon jetzt wachsen in Dänemark und Schweden feine Weißweine heran. Und aus Südengland kommen edle Tropfen, die durchaus mit Champagner mithalten können. Noch sind sie nicht viel wert, aber das kann sich durchaus einmal ändern.

Wertsteigerungen wie bei Oldtimern

Es scheint ein gutes Jahr zu werden für den Wein. Das hört man nicht nur von der En-Primeur-Kampagne im Bordeaux, bei der gerade ein hervorragender Jahrgang 2016 verkostet wurde. Auch der britische Liv-ex-Index, der die Preisentwicklung der 100 gefragtesten Spitzenweine misst, vermeldete im vergangenen Jahr einen Rekordanstieg von mehr als 20 Prozent. 

„Der Index zeigt Wertsteigerungen, nach denen Wein jetzt erstmals auf dem Niveau von Oldtimern ist“, sagt Christian Ress, der das renommierte Weingut Balthasar Ress im Rheingau in fünfter Generation führt. „Das sind die Fakten.“

7 Empfehlungen

1. Weine kaufen, die hohe Bewertungen haben.

Maßstab sind noch immer die Punkte nach dem System des Weinpapstes Robert Parker respektive seiner Publikation „The Wine Advocate“. Gefolgt von den Bewertungen der Weinkritiker James Suckling und Antonio Galloni. Ab 90 Punkten wird es interessant. Wenn ein Wein mehr als 95 Punkte hat, lohnt das Investment auf jeden Fall. Bei einem späteren Verkauf geht der Großteil der Weine nach Asien oder Nordamerika. Und dort sind nur die wirklich großen Kritiker relevant.

2. Je knapper die Verfügbarkeit, desto besser.

Die Immobilienexperten sagen: Die Lage ist wichtig. So ist das auch beim Wein. Am Beispiel der Bordeaux Châteaux bedeutet das: Wenn einer der fünf Premier Crus 100 Punkte hat, dann kann dies eine Produktion von nahezu 400 000 Flaschen sein. Es gibt andere Weine, da sind 50 000 schon zu viel, um für ein Investment zu taugen. Ähnlich ist das auch im Bereich Champagner. Deshalb: Lieber auf die bewährten Klassiker setzen.

3. Aus zuverlässigen Quellen zum günstigsten Einkaufspreis erwerben.

Der Subskriptionseinkauf garantiert den günstigstmöglichen Bezug. Sobald die Weinkritiker nach der En-Primeur-Verkostung ihre Punkte für den Wein des Vorjahres vergeben haben, kaufen ausgesuchte Händler die Primeur-Weine des Vorjahres ein. Nicht direkt bei den Châteaux, sondern über Zwischenhändler, die sogannten Négociants. Kunden können sich den Anspruch auf diese Weine, die noch rund zwei Jahre in den Châteaux reifen, jetzt vorab zum günstigen Erstausgabepreis sichern.

4. Perfekte Lagermöglichkeiten nachweisen können.

Die Herkunft der Weine, die Provenance, ist das absolute A & O. Deshalb sollte man Weine möglichst im Originalgebinde kaufen und im Originalgebinde lagern. Optimal sind 70 bis 75 Prozent Luftfeuchtigkeit und eine Temperatur zwischen 11 und 16 Grad. Die Temperatur sollte konstant sein, das ist das Wichtigste. Und der Lagerraum dunkel und erschütterungsfrei. Der Nachweis einer professionellen und möglichst versicherten Lagerung, wie sie auch Unger Weine mit dem Konzept „Unger Weine – Der Keller“ anbietet, ist entscheidend für den Wiederverkaufswert.

5. Nur in Weine investieren, die einem selbst gut schmecken.

Das richtige Portfolio ist eine ganz individuelle Sache. Ein seriöser Händler fragt zunächst, welches Budget der Kunde investieren will, und erkundet, was er gerne trinkt. Dann präsentiert er eine Auswahl, die vernünftig gepreist ist. Ein Wein-Portfolio darf schon mindestens 5 000 bis 10 000 Euro kosten. Wenn man zwei Kisten mit Premier Crus für 500 Euro die Flasche dabei hat, dann sind ja schon 6000 Euro weg.

6. In deutsche Weine nur in Ausnahmefällen investieren.

Deutsche Rotweine sind als Investment untauglich. Aber auch in Deutschland gibt es mittlerweile einige Produzenten, die weltweit sehr gesucht sind und wo man das eine oder andere weglegen kann. Die deutschen Standard-Rieslinge sind gut, aber leider zu günstig, auch, wenn sie sich toll entwickeln.

7. Mit einem langfristigen Investment-Horizont planen.

Mindestens fünf bis zehn Jahre sollte man den Wein halten, damit sich das Investment lohnt. Dabei muss man sich entweder selbst gut auskennen oder jemanden an der Seite haben, der das tut. Spitzenwein hält sich zwar einige Jahrzehnte auf seinem Höhepunkt, aber auch er hat irgendwann ein Verfallsdatum. Und das kann allein durch die Lagerung bereits stark variieren.

Hintergrund: Investoren schätzen Weinraritäten in der Niedrigzinsphase zunehmend als attraktive Alternative. Der größte Wachstumstreiber ist dabei die steigende Nachfrage aus Asien – besonders China und Japan – und den USA.

Es ist also kein schlechter Moment zum Kaufen. Aber natürlich muss man die richtigen Weine im Portfolio haben. Und noch ein paar andere wichtige Dinge berücksichtigen. „Man sollte nicht denken, dass es so einfach ist, bei diesem Spiel mitzuspielen“, gibt Kenner Ress zu bedenken. Mit seiner wineBANK hat er einen elitären Business-Club geschaffen, der der wachsenden Gemeinschaft von Weinliebhabern und Raritäten-Anlegern bereits an acht Standorten ein stilvolles Ambiente für die ideale Lagerung und den Genuss ihrer edelsten Tropfen anbietet. 

Der teuerste Wein der Welt: Der Cheval Blanc 1947 in der 6000-Milliliter-Imperiale-Flasche kostet heute 192.042 Euro.

Wein, das sei ein Kulturgut, über das sich diskutieren lasse wie über Musik und Kunst. Dazu ein Stück Genuss und Performance, schwärmt Ron Freund, diplomierter Sommelier und CEO der Züricher Firma Wine-Stocks. „Es ist, als würde Ihnen eine neue Sinneswahrnehmung geschenkt. Und je mehr Sie schmecken, riechen, lesen und wissen, umso mehr gibt es zu verstehen.“

Bei Wine-Stocks können sich Einsteiger und Profi-Anleger einen umfassenden Überblick über die Wertentwicklungen verschaffen. Das Unternehmen ist seit 2011 für das Ranking von Winefonds lizensiert. Eine Milliarde Weine lässt Experte Freund mit Hilfe modernster Software dort tagtäglich verfolgen. „Wir haben in unserer Datenbank mehr als 1000 Weine mit einem Wertzuwachs von mehr als 1000 Prozent in den letzten 20 Jahren.“

Schatzkammer: Im Weinkeller von Unger Weine lagern bis zu 60 000 Kisten wertvollster Tropfen bei perfekten Bedingungen.  © Unger Weine

Die Blue Chips unter den Weinen

An der Spitze des Anleger-Olymps finden sich allerdings weiterhin ausschließlich Bordeaux-Weine, sieben bis zehn Jahre gereift. „Bei den 100 besten Bordeaux-Weinen beobachten wir Wertsteigerungen von 10 bis 11 Prozent pro Jahr“, so Freund. 

Namen, mit denen man nichts falsch machen kann: Die Erstgewächse, die sogenannten Premier Crus von Château Lafite-Rothschild, Château Mouton-Rothschild, Château Latour, Château Margaux und Château Haut-Brion. Zu den absoluten Spitzenweinen zählen auch die nicht klassifizierten Grand Crus der Châteaus Petrus, Le Pin, Ausone und Cheval Blanc.

Im Burgund sind die besten Lagen mit den ersten zwei Stufen Grand Cru und Premier Cru klassifiziert. Hier zählt primär das berühmte Weingut Domaine de la Romanée-Conti zu den Blue-Chip-Produzenten.

Begrenzte, klassifizierte Lagen und die über Jahrhunderte perfektionierte Veredelung der Reben sichern den Winzern im Bordeaux und auch im Burgund einen unerreichten Wertsteigerungsvorsprung.

Der Wein mit der höchsten Performance sei eine 750-ml-Flasche des 2003 verstorbenen Winzers und Wein-Gurus Henri Jayer, der Vosne Romanée Cros Parantoux von 1983. 1996 noch für 39,65 Euro zu haben, kostet sie heute 3300 – ein Plus von 8000 Prozent. 

Der teuerste Tropfen sei aktuell ein Cheval Blanc 1947 in der 6000-Milliliter-Imperiale-Flasche für 192.042 Euro.

Beide Weine zählen zu den sogenannten Blue Chips. Das sind Weine, die sich als langfristig sichere Finanzanlage mit hoher Kapitalrendite erwiesen haben. Darunter sind neben den Klassikern aus Bordeaux und Burgund auch Weine aus ausgesuchten Top-Lagen in Spanien, Italien, Kalifornien und Australien.

Bei der WineBank – hier in Wien – kann man nicht nur seine Weine einlagern und genießen, sondern gelegentlich auch andere Köstlichkeiten.  © wineBank / Stefan Seelig

Wein – ein Subskriptionsgeschäft

Für Michael Unger, der mit seinem Bruder Dr. Wulf Unger im idyllischen Frasdorf nahe dem Chiemsee eine der besten Weinadressen Deutschlands führt, sind diese Frühjahrswochen die wichtigsten und lebhaftesten des Geschäfts. Gerade von der En-Primeur-Verkostung im Bordeaux zurück, sind die Subskriptionen für den Jahrgang 2016 angelaufen, die Möglichkeit zur Vorbestellung der Weine, die jetzt alle haben wollen.

Im Dezember, bei seinem traditionellen Weihnachtstasting mit ausgewählten Kunden, hatte er für seine Gäste zwischen „Sautiertem Maine Lobster mit Papaya und grünem Spargel“ und „Dry Aged Hochrippe aus dem Beef, Peperonata und gegrillter Zucchini“ eine besondere Sensation vorbereitet. „An so einem Abend wird der Wein in Form einer Blindverkostung serviert“, sagt Unger, primär gebe es bei dieser Aktion nur sehr rare alte Weine. 

Diesmal schenkte er einen Primeur-Wein des 2016er-Jahrgangs aus, einen Château Marlartic Lagravière, den ihm das Château vorab zur Verfügung gestellt hatte, ein sogenanntes Fassmuster. „Der ist ja sehr jung“, staunten die Gäste. Da ließ Unger eine neue Runde Gläser reichen, diesmal mit einem Wein von reiferer Farbe, dessen Aroma für ehrfürchtige Begeisterung sorgte. 

„Eindeutig einer der atemberaubendsten und bewegendsten Bordeauxweine, die ich je probiert habe“, lautete das Urteil von Neil Martin, einem von Robert Parkers Nachfolgern unter den weltbesten Weinkritikern, bereits im Juli vergangenen Jahres über diesen Château Marlatic Lagravière von 1916. Der gleiche Wein wie das Fassmuster, nur 100 Jahre älter. „Ein großes Erlebnis für alle Beteiligten“, sagt Unger. 

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