Praxisfinanzen

Enormer Veränderungsdruck


Digitalisierung Die Rendite allein ist für die apoBank nicht das übergeordnete Ziel. Vielmehr habe man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und will jetzt die Digitalisierung mit hohem Mehrwert für die Kunden nutzen. Der designierte Vorstandsvorsitzende Ulrich Sommer setzt auf persönliche Anlageberatung und bedarfsgerechte Lösungen. Im Interview mit zifferdrei spricht er über die Auswirkungen der Niedrigzinsphase beim Vermögensaufbau.


Text: Nicola Sieverling

Herr Sommer, Sie übernehmen im September dieses Jahres das Ruder. Geht damit ein langgehegter Berufswunsch in Erfüllung?

Sommer: Es war nie mein Ziel, hier im Hause Vorstandsvorsitzender zu werden. Ich habe den Drang verspürt, zu optimieren und verbessern zu wollen. Ich hatte das Glück, mit meinem Engagement am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein.

Sie sind seit über 30 Jahren in der apoBank tätig und haben sich stetig nach oben gearbeitet. Sind Sie ein Karrieremensch?

Sommer: Das bin ich sicher nicht, sonst hätte ich in meinem Leben den Arbeitgeber häufiger wechseln müssen, um möglichst schnell Karriere zu machen. Ich liebe eher Kontinuität, Loyalität und identifiziere mich sehr mit meiner Arbeit. Das habe ich bei der apoBank gefunden. 

Wie wichtig ist Ihnen eine Vorbildfunktion als Chef und welche Werte wollen Sie Mitarbeitern vermitteln?

Sommer: Ich möchte gern für die Werte Leidenschaft, Freude und Innovationen stehen. Ich sehe aber auch die Themen Verantwortung, Neugier, neue Dinge auszuprobieren. Das ist in der heutigen Zeit immens wichtig, gerade in so tradierten Unternehmen wie Banken. Aber wird in den nächsten Jahren von uns durch die Digitalisierung ganz stark verlangt werden.

Jeder CEO setzt eigene Akzente. Was werden Sie in Ihrer Funktion als Vorstand anders machen wollen?

Sommer: Die Markt- und Branchenentwicklung gibt uns die Aufgaben vor. Zudem fordert die Digitalisierung ein Umdenken in unserer Arbeitskultur. Damit verbinde ich schnelles Entscheiden, Teamarbeit auf Augenhöhe, mehr Eigenverantwortung und Selbstmotivation der gesamten Mannschaft. Dieser Wandel wird für uns eine der größten Herausforderungen sein. 

Hand aufs Herz: Welche drei Haupteigenschaften stehen für den Menschen Ulrich Sommer?

Sommer: Verlässlichkeit ist für mich ein wichtiger Punkt. Meine Mitarbeiter und die Kunden sollen sich auf mein Wort verlassen können. Ich möchte für Offenheit und Klarheit stehen – auch Offenheit für Veränderungen. Und was mich vor allem auszeichnet, ist meine Hartnäckigkeit, mit der ich Dinge anpacke und umsetze.

Das ist ideal, denn die apoBank geht in den nächsten Monaten verstärkt den Weg in die digitalisierte Welt. Was planen Sie?

Sommer: Was das digitale Bankgeschäft im klassischen Sinn betrifft, so ist es unser Ziel, unseren Kunden moderne und wettbewerbsfähige Lösungen anzubieten – vom digitalen Dokumentenaustausch über die Fotoüberweisung bis hin zum Kontowechselservice. Mit Blick auf die Schnittstelle zum Gesundheitsmarkt gehen wir noch einen Schritt weiter. Hier haben wir den Anspruch, mit innovativen, digitalen Ideen Vorreiter im Markt zu sein. Einige Ideen haben wir auch schon in der Schublade. Viel wichtiger wird jedoch sein, ein sehr flexibles System zu entwickeln und zu betreiben, mit dem wir unseren Kunden die Wünsche von den Augen ablesen können. 

Wie profitieren Ihre Kunden davon? 

Sommer: Unsere Kunden profitieren dann, wenn wir schnell ihre Fragen und Wünsche beantworten, und wenn wir bedarfsgerechte Lösungen anbieten, die einen spürbaren Mehrwert haben. Wie bei unserem neuen Gründer-Check-up, mit dem junge Heilberufler ihren Unternehmergeist mit Blick auf eine mögliche Niederlassung einschätzen können. Das ist nur ein Beispiel. Wenn wir neue Vorhaben entwickeln, binden wir zunehmend unsere Kunden in Co-Creation-Prozesse ein. So sind wir noch treffsicherer, wenn es um die Bedürfnisse unserer Kunden geht. 

Sie haben ein engmaschiges Niederlassungsnetz in Deutschland. Stehen Streichungen bevor oder setzen Sie auf Ausbau?

Sommer: Die Filialen bleiben unverändert eine wichtige zentrale Anlaufstelle für unsere Kunden. Unser Wettbewerbsvorteil ist die hochwertige und spezialisierte Beratung der Heilberufler vor Ort. Daran halten wir natürlich fest. Aktuell haben wir mehr als 80 Standorte in Deutschland. Vorstellbar ist, dass wir die eine oder andere regionale Lücke noch schließen. Insbesondere an Universitäten und Uni-Kliniken wollen wir noch näher an unsere Kunden rücken. 

Die Banken genießen in Deutschland nach den Krisen der Vergangenheit nicht unbedingt den besten Ruf. Zu Unrecht?

Sommer: Viele Banken haben in der Vergangenheit Fehler gemacht. Daher ist es verständlich, dass die Kunden seither den Banken mit Vorsicht begegnen. Auch die apoBank ist vor ein paar Jahren von ihrem Weg abgekommen. Sie hat aus ihren Fehlern gelernt; das haben auch unsere Mitglieder wahrgenommen, deren Zahl seitdem kontinuierlich gestiegen ist. Das werten wir auch als Bestätigung für unsere genossenschaftliche Rechtsform, die von vielen als Mehrwert geschätzt wird. Denn Rendite allein ist für uns nicht das übergeordnete Ziel. 

Stellen Sie sich vor, Sie hätten die Chance, Gesundheitsminister Gröhe einen Wunsch in sein Aufgabenbuch zu schreiben. Wie würde er lauten? 

Sommer: Ich würde mir wünschen, dass die Gesundheitspolitik weniger reguliert und dafür mehr Platz für die Entwicklung echter wettbewerblicher Lösungsansätze schafft. 

Wichtige Leistung der apoBank ist die Unterstützung beim Vermögensaufbau. Welche klassischen Elemente bedienen Sie? 

Sommer: Die persönliche Anlageberatung durch unsere Kundenberater ist unser wichtigster Baustein. Basis hierfür ist unser hauseigenes Investmentresearch – mit Einschätzungen zum Kapitalmarkt und Empfehlungen zur Gewichtung der verschiedenen Aktien- und Rentenmärkte. Darauf basierend entscheidet jeder Heilberufler, wie aktiv er werden will: Entweder er investiert selbst oder er vertraut auf die Expertise eines Fondsmanagers. Wer seine Vermögensanlage komplett aus der Hand geben möchte, dem steht unsere vielfach ausgezeichnete hauseigene Vermögensverwaltung zur Verfügung.

Welche Auswirkungen hat die Niedrigzinsphase auf diese Leistung?

Sommer: Während Aktien aktuell große Chancen – aber natürlich auch Risiken – aufweisen, bieten festverzinsliche Anlagen wie Renten in der anhaltenden Niedrigzinsphase fast keinen Ertrag. Daher sollte jeder Anleger zusammen mit seinem Bankberater seine Assetallokation überprüfen. Viele unserer Kunden entscheiden sich derzeit für einen Fonds oder eine Vermögensverwaltung mit einem höheren Aktienanteil als früher. Gleichzeitig ist in Bezug auf die Risiken mehr denn je eine breite Streuung gefragt – über Anlageklassen, Regionen, aber auch innerhalb von Anlageklassen auf viele Papiere. Wer zum Beispiel in Anleihen mit geringerer Bonität investiert, etwa im so genannten High-Yield-Segment, kommt tendenziell auf höhere Renditen, muss aber auch mit höheren Schwankungen und Ausfallrisiken rechnen. Insofern ist es ratsam, nicht alles Geld in eine Anleihe zu stecken, sondern auf verschiedene Unternehmenspapiere zu verteilen.

Bleiben wir in dieser Phase der niedrigen Zinsen oder dreht sich der Wind bald, Herr Sommer? 

Sommer: Die deutsche und auch die globale Wirtschaft scheinen wieder rund zu laufen, mit der Folge, dass in den letzten Monaten auch die Inflationsraten in die Höhe geschnellt sind. Unter diesen Bedingungen fällt es den Notenbankern immer schwerer, ihre Politik des billigen Geldes zu rechtfertigen. Und dennoch ist nicht davon auszugehen, dass sie bald den Fuß vom Gas nehmen.

Ihr Rat an Ärzte: Geld jetzt anlegen oder lieber unter dem Kopfkissen behalten?

Sommer: Definitiv anlegen! Wir raten unseren Kunden derzeit zu einer ausgewogenen Anlage in Aktien und Renten. Auch wenn letztere aktuell wenig Rendite einbringen, bleiben sie ein wichtiger Baustein im Depot, um Wertschwankungen zu dämpfen. Regional bevorzugen wir momentan hochverzinsliche Euroanleihen und Aktien aus dem Euroraum sowie Asien. Darüber hinaus kann eine Beimischung von Immobilien sinnvoll sein. Auch wenn die Preise in so manchen A-Lagen zuletzt stark angestiegen sind, sehen wir trotzdem keine generelle Immobilienblase in Deutschland.

Eine persönliche Frage zum Schluss: Wie und wo tanken Sie Kraft für Ihren anspruchsvollen Job?

Sommer: Im Kreis meiner Familie und beim Jogging am Rhein. Das macht den Kopf frei und entspannt mich.

Zur Person

Ulrich Sommer

geboren 1962, verheiratet, zwei Töchter, wohnt am Rhein

Nach Ausbildung zum Bankkaufmann Eintritt 1986 in die apoBank. Verschiedene Funktionen, unter anderem im Bereich der Institutionellen Kundenbetreuung. 1993 Wechsel zur IKB als Prokurist für Wertpapierhandel und Kundenbetreuung. 1994 Rückkehr zur apoBank, Leitung Institutionelle Kundenbetreuung. Als Direktor später Verantwortung für den Wertpapierhandel. Im Dezember 2010 Ernennung zum Bereichsvorstand, Leitung der Ressorts Standesorganisationen, Großkunden und Märkte. Seit Juli 2012 Mitglied des Vorstands der apoBank. Im Juni 2015 Ernennung zum stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstands.

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