Praxisfinanzen

Fass und los

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Whisky ist als Geldanlage äußerst gefragt. Nicht nur bei Kennern und Genießern.


Text: Jan Rentzow

Er trägt den Namen Galileo, kommt aus der schottischen Brennerei Ardbeg – und nein, kein einziger Tropfen dieses 1999er Jahrgangs war jemals auf der Raumstation ISS.

Die stolze Brennerei Ardbeg aber hatte sich euphorisch auf die Suche nach dem perfekten Tropfen gemacht und medienwirksam ein frisches Destillat ins All geschossen, um es in der Schwerelosigkeit reifen zu lassen. Ein „langfristiges Experiment für den Geschmack“ nannte man dieses Projekt.

17.500 Erdumrundungen machte der Whisky, versetzt mit Eichenspänen, dort oben an Bord der internationalen Raumstation bevor er zurückkehrte. Und in der langen Zwischenzeit bis zur Verkündung erster Erkenntnisse, bis die Welt also erfahren sollte, wie sensationell sich der Reifeprozess eines guten Tropfens im All verändert, entstand ganz irdisch die neue Sorte Galileo mit einer Rakete auf dem Etikett. 49 Prozent, ein circa zwölf Jahre alter Whisky, eine Begehrlichkeit. Und ein neuer Fixpunkt in den Herzen der Sammler, die für diese Flasche natürlich deutlich mehr zu zahlen bereit waren als gemeinhin üblich.

Klingt komisch. Zeigt aber, wie erfolgreich eine einzigartige, emotionale Marketing-Story Whisky verteuern kann – eine nur irgendwie plausibel oder unplausibel erzielte Limitierung, die der Markt dankbar aufgreift und in Renditen für „uisge beatha“, das „Wasser des Lebens“, verwandelt.

Denn dieses „Wasser des Lebens“ ist in seiner Herstellung kein teures Getränk. Viel wichtiger für die Preisentwicklung sind sein ideeller Wert und seine Seltenheit – und genau hierin steckt für die Anleger eine Chance.

Seltene Whiskys haben Hochkonjunktur. Wie erlesener Wein werden sie in den Zeitungen schon jetzt als Flaschengeld bezeichnet, als süffige Rendite. Eine verstärkte Nachfrage aus dem asiatischen Raum, auch aus Russland, wirkt sehr positiv auf die Preise.

Die Grafik zeigt die Preisentwicklung der 100 begehrtesten, der 250 nachgefragtesten und der 1000 besonders nachgefragten Sammlerflaschen in den letzten fünf Jahren.  © FGS

Guter Zeitpunkt für den Einstieg

„Es gibt limitierte Whiskys, die sich sehr schnell, innerhalb von wenigen Tagen, im Wert entwickeln“, sagt Whiskyexperte Tim Tünnermann von der Whisky Investments GmbH. „Und es gibt andere, die sich eher langsam, aber stetig, über Jahre hinweg im eher einstelligen Prozentbereich steigern.“ Die Anlegerschar ist bereit. Vom Großanleger, der im sechsstelligen Bereich investiert, bis zum Studenten, der monatlich eine kleine Summe für seine Zukunft anlegt. Man müsse wissen, dass es sich beim Whisky um eine sehr risikoreiche Anlage handele, mit vielen Details, die es zu beachten gelte und man deshalb sein Portfolio sehr genau planen müsse, sagt Tünnermann. „Aber der Zeitpunkt, jetzt einzusteigen, ist gut.“

Whisky als Anlage sei ganz eindeutig ein großer Trend, sagt auch Thomas Krüger vom Online-Auktionshaus whisky-auction.com. Grund seien die Niedrigzinsen – natürlich. Die Flucht in Sachwerte, die auch schon die Immobilienpreise und die Erlöse für moderne Kunst nach oben treibe. Größter Unterschied: Noch drohe für Whisky keine Spekulationsblase, die gefährlich werden könnte. Und – selbst wenn die Preise doch einmal in den Keller fallen sollten: Einen Totalverlust gebe es nicht. Man könne seine Anlage im Notfall ja immer noch öffnen und trinken. Wenn man Whisky denn generell möge, zumindest.

Es gibt Sorten, die sind interessant für Anlagen und solche, die sind es nicht. Interessanter als die meisten Blended Whiskys sind Single Malts. Während Blended Whiskys wie Johnnie Walker aus verschiedenen Destillerien zusammengemixt werden, sind höherwertige Single Malts Whiskys, deren Tropfen einer einzigen Brennerei entstammen – mit einzigartigem Charakter.

Unterschiede im Geschmack gibt es nicht nur zwischen den Brennereien. Auch Whiskys aus derselben Brennerei können von Fass zu Fass unterschiedlich schmecken. Zu den bekanntesten Marken zählen hier Macallan, Glenmorangie, Lagavulin oder Bowmore.

„In den 80er Jahren gab es 20 Malt-Whisky-Sorten, heute sind es mehr als zehnmal so viele“, sagt Auktionator Krüger über das sehr hochpreisige Segment im Whisky. „Traditionelle Anleger setzen auf Single Malt, original von der Destille. Am besten sind ein Vintage-Jahrgang auf dem Etikett und ein optimaler Flaschenzustand.“ Wertsteigerungen von 10 bis 20 Prozent seien hier möglich. Das Gute dabei, das für alle seltenen Sorten gilt: Jede auf der Welt geöffnete Flasche steigert automatisch den Wert der noch verschlossenen Flaschen. Keine guten Zeiten für durstige Genießer.

Wer auf der Suche nach einem besonderen Anlagesegment ist, dem sei geraten: Für Kenner bedeutsam sind natürlich Sorten aus Schottland, der Heimat des Whiskys, insbesondere von Brennereien, deren Geschäft bereits geschlossen ist und die eigentlich nicht mehr am Markt agieren. Zwar gibt es noch immer mehr als 100 Brennereien im Norden des UK, begehrt sind aber vermehrt Destillerien, die nicht mehr produzieren oder gar nicht mehr existent sind, von denen aber immer noch sehr limitiert einzelne seltene Fässer auf den Markt zur Abfüllung gebracht werden. Von Port Ellen. Oder Littlemill. Oder St. Magdalen. „Hier sind Qualität und Geschmack nicht mehr der vorrangige Grund für die Kaufentscheidung“, sagt Whiskyexperte Tünnermann von der Whisky Investments GmbH. „Das sind Anlage-Raritäten.“ Von diesen würden in den nächsten Jahren immer mal wieder Bestände aus den Lagern der „Lost Distilleries“ verkauft. Er empfehle Jahrgangsabfüllungen.

Whisky-Investment-Experten: Michaela und Tim Tünnermann.  © Die Whiskybotschaft

Standard oder Limited Edition?

Standardabfüllungen – das sind qualitativ und geschmacklich immer auf gleicher Linie bleibende Originalabfüllungen, die über einen längeren Zeitraum verfügbar sind. Auch diese – zum Beispiel ein Lagavulin 16 (zwischen 40 und 60 Euro) – steigen innerhalb von zehn Jahren zwar im Wert, sind aber eher hochwertige Whiskys zum Trinken als Anlagewhiskys. 

Von Standardabfüllungen zu unterscheiden sind Sammlerflaschen. Solche Flaschen großer Namen in hochwertigen Verpackungen bieten beste Qualität und stetige Wertsteigerungen.

Limitierte Editionen sind bei den Herstellern sehr en vogue – aber eher darauf ausgerichtet, einen Hype auszulösen, und qualitativ nicht immer die allererste Wahl. Wer bei limitierten Ausgaben zuschlagen möchte, der möge bedenken: Die Bezeichnung „Limited Edition“ ist im Whisky-Business kein geschützter Begriff. Mehr als 10.000 Flaschen sollte eine Edition möglichst nicht beinhalten, will man sie ernsthaft als Anlage ins Auge fassen. Ausnahmen bestätigen den Whisky.

Natürlich ist der Markt vor allem für Nichtexperten nicht gerade transparent. Eine Recherche ist daher unerlässlich, um den richtigen Whisky zu finden, der im Stehen – nicht im Liegen! – bei Temperaturen zwischen acht und 16 Grad in einem trockenen dunklen Keller Wert generieren soll.

Wer bei seinem Whiskywissen noch Nachholbedarf haben sollte, kann dieses in Ruhe aufbauen und derweil Profis wie die Whisky Investments GmbH für ein wertstabiles Portfolio zu Rate ziehen. Für den langfristig orientierten Anleger seien 6 bis 7 Prozent ein guter Renditeschnitt, sagt Experte Tünnermann, mit einem guten Händchen lägen die Portfoliorenditen oft sogar noch höher. Die Kosten für die versicherte, fachgerechte Lagerung, die er gleich mit anbietet, sind da schon inbegriffen.

2016 war ein außergewöhnliches Jahr für den Whisky-Sammlermarkt. Der APEX 1000, ein von der schottischen Rare Whisky 101 Ltd. berechneter Index für 1000 besonders nachgefragte Sammlerflaschen, legte in den vergangenen zwölf Monaten um fast 40 Prozent zu, bei den Top 100 stieg der Wert sogar um 47 Prozent. Für 2017 rechnen die Experten mit einem weiteren Anstieg der Preise.

Yamazaki Sherry Cask 2016: Von diesem Whisky kamen nur rund 90 Flaschen nach Deutschland.  © Die Whiskybotschaft

„Es gibt limitierte Whiskys, die sich sehr schnell innerhalb von wenigen Tagen im Wert entwickeln.“

Whisky-Investment-Experten: Michaela und Tim Tünnermann.

Ab 100 Euro pro Flasche

Wie teuer eine Flasche ist, die sich als Investment eignet? „Nicht unter 100 Euro und nicht über 2500 Euro“, rät Thomas Krüger von whisky-auction.com. „Wenn nämlich gerade einmal ein so teures Exemplar ein Korkproblem hat, ist das ärgerlich.“ Das ist es übrigens auch, wenn die Reinigungskraft oder die Kinder eine Flasche umstoßen, weil der Lagerplatz leider doch nicht ideal war.

Bleibt nur noch eine Frage. Ein Tipp. Und der heißt Japan, das fernöstliche Schottland. Sehr begehrt sind neuerdings japanische Whiskys. Der Yamazaki Sherry Cask zum Beispiel, der erste Japaner, der 2015 zum besten Whisky der Welt gekürt wurde. „Der sollte“, wie Berater Tünnermann sagt, „für 300 Euro verkauft werden und wurde in kürzester Zeit für mehrere 1000 Euro gehandelt.“

Genau betrachtet käme der Erfolg japanischer Destillen allerdings gar nicht so überraschend. „Wie in Schottland gibt es in Japan hervorragendes Quellwasser, welches sich für die Produktion von Whisky besonders gut eignet. Die großen Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter ermöglichen eine besonders schnelle und intensive Reifung des Malts.“ Die Japaner achteten sehr auf Qualität und benutzten gerne seltene Holzarten, die es in Europa kaum gibt. Für den deutschen Markt waren von diesem sensationellen Yamazaki Sherry Cask nur circa 90 Flaschen vorgesehen. Diese seien gar nicht erst in den offiziellen Handel gekommen, sondern direkt in die Luxusgastronomie verkauft worden. „Manchmal nutzt es einem gar nichts, wenn man weiß, dass ein Whisky gut ist“, sagt Tünnermann über den japanischen Überflieger mit den gallaktischen Preisen. Einen guten Whisky zu erkennen, reiche nicht. „Man muss ihn auch bekommen.“ 

Die schottische Whiskybrennerei Ardbeg auf der Insel Islay: Eine einzigartige, emotionale Marketing-Story kann Whisky verteuern.  © Tyler W. Stipp / shutterstock

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