PVS-­Positionen

Kaspar-Roos-Medaille für Dr. Jochen-Michael Schäfer


Auszeichnung  Starkes Signal für ärztliche Selbstverwaltung und Selbsthilfe. Der NAV-Virchow- Bund verleiht Dr. Jochen-Michael Schäfer die Ehrenmedaille des Verbandes in Anerkennung seines berufspolitischen Engagements in der Kassenärztlichen Vereinigung und bei der PVS.


Text: Ulrike Scholderer Fotos: Andreas Schoelzel

Am 18. November 2016 lud der NAV-Virchow-Bund im Vorfeld seiner Bundeshauptversammlung zu einer öffentlichen Auftaktveranstaltung ein. Die Veranstaltung stand ganz unter dem Zeichen der zunehmenden Digitalisierung des Arztberufes. Weiterer Höhepunkt war die Ehrung des diesjährigen Trägers der Kapsar-Roos-Medaille. Dr. Jochen-Michael Schäfer, Vorsitzender des Verbandes der Privatärztlichen Verrechnungsstellen, erhielt die Auszeichnung für sein berufspolitisches Engagement.

Dr. Schäfer wird als langjähriger und glaubwürdiger Vertreter der ärztlichen Selbstverwaltung und Selbsthilfe geehrt. Er verfüge über die erforderliche Mischung aus Diplomatie, Verhandlungsgeschick und Konfliktfähigkeit, um ärztliche Interessen durchzusetzen. In seiner ärztlichen und standespolitischen Arbeit habe er sich um die niedergelassenen Ärzte in Deutschland verdient gemacht.

Für die ärztliche Selbstverwaltung und Selbsthilfe setzt sich Dr. Schäfer sowohl in der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Schleswig-Holstein als auch bei den Privatärztlichen Verrechnungsstellen ein. Von 1997 bis 2011 war Dr. Schäfer Vorsitzender der Vertreterversammlung der KV in Bad Segeberg. Gegen den massiven Druck der Landesregierung gelang es ihm, eine neue Satzung und Wahlordnung durchzusetzen. „Das in Schleswig-Holstein geltende Verhältniswahlrecht auf Kreisebene gilt heute bundesweit als Vorbild für eine akzeptierte repräsentative Form der ärztlichen Selbstverwaltung. Aus diesem Grund zählt die Wahlbeteiligung zu den KV-Wahlen im nördlichsten Bundesland heute auch zu den höchsten in ganz Deutschland“, hob Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes, in seiner Laudatio hervor. Dem Vorstand der PVS Schleswig-Holstein · Hamburg gehört Dr. Schäfer seit 1978 an, seit 1993 als Vorsitzender. Seit 16 Jahren ist er zudem Vorsitzender des PVS Verbandes. Vor allem aber ist Dr. Schäfer immer auch mit Leib und Seele Hausarzt gewesen. Von 1975 bis 2014 führte er seine Praxis in Kiel. Er sei ein „bekannter und beliebter Allgemeinmediziner, dem das Wohl seiner Patienten am Herzen liegt und den seine Patienten in liebevoller und guter Erinnerung haben“, so Dr. Heinrich in seiner Rede.

„Zur Berufspolitik gekommen bin ich durch den Rat eines guten Freundes“, sagt Dr. Schäfer. Herbert Weidling, der 2015 verstorbene Mitbegründer der Architektenkammer Schleswig-Holstein und Landtagsabgeordnete, war sein langjähriger Freund und Mentor. Weidling habe ihn schon am Anfang seines Berufslebens aufgefordert, sich für seinen Berufsstand zu engagieren. Und das habe er dann auch gemacht. Diesen Impuls möchte Dr. Schäfer weitergeben. Seine Dankesrede schloss er mit dem Appell: „Ich wünsche mir, dass wir alle unsere jungen Kolleginnen und Kollegen ansprechen und sagen: Du musst Dich für Deinen Berufsstand einsetzen.“

Was bedeutet die Digitalisierung für den Arztberuf?

In einem Impulsreferat und anschließender Diskussionsrunde warf der NAV-Virchow-Bund die Frage auf: Ist Disruption durch Digitalisierung für den Arzt gestaltbar?

Digitale Gesundheitsanwendungen, Telemedizin, personalisierte Arzneimitteltherapie und Nanotechnologie sind in aller Munde – doch was bedeuten die dahinter stehenden rasanten technologischen Entwicklungen für die Ärztinnen und Ärzte?

Die Diskussion um Big Data hat auch in die Medizin Einzug gehalten. Es wäre zu kurz gegriffen, verstünde man Big Data einfach als die gezielte Sammlung von nahezu unendlich großen Sätze von vorab definierten und strukturierten Daten. Das sind Daten, wie sie exemplarisch am größten Teilchenbeschleuniger der Welt, am Europäischen Kernforschungszentrum CERN, erzeugt werden. Auch hier geht es zwar um Petabytes. Das enstpricht in der Größenordnung dem jährlichen Datenaufkommen von Facebook. Den Unterschied zwischen riesengroßen naturwissenschaftlichen Datenmengen und den die heutige Diskussion bestimmenden Big Data, erläutert Sascha Lobo, Autor, Blogger und Strategieberater, eindringlich. Big Data erzeuge aus der Unmenge an Datensätzen, die das Internet bereithält, erst statistische Gruppen, die es vorab nicht gab. Daten, die zunächst überhaupt nicht zusammen gehören, werden zusammengefasst – und letztlich an diejenigen verkauft, die genau diese Informationen verwenden können. „In den USA ist es bereits gang und gäbe, dass Daten von Internetnutzern ausgewertet und Arbeitgebern angeboten werden“, sagt Lobo. Disruptiv sei die technologische Entwicklung, weil der nächste Sprung nicht vorhersagbar sei und neue Verfahren alte verdrängten.

Der Treiber hinter dieser Entwicklung ist für Lobo die digitale Ungeduld, die „Sofortness“. Alles soll überall immer ohne Zeitverluste abrufbar sein. Und genau diese Entwicklung spiele auch für Ärzte in ihrer täglichen Praxis eine wichtige Rolle. Patienten nutzen bereits heute eine Unzahl von Apps und bringen die selbstgenmessen Werte, sei es der Blutdruck, die Herzfrequenz, der Blutzucker, in die Praxis mit. Schon bald werde es Sensoren geben, die Daten sammelten, auf denen basiert valide medizinische Aussagen getroffen werden können. Lobo nannte als Beispiel eine von Google entwickelte Kontaktlinse, die den Blutzucker misst. Auch das Smartphone als Messgerät für Langzeit-EKGs sei keine Utopie mehr. Ärzte müssten sich auf diese Entwicklung einstellen, aufzuhalten sei sie nicht. Vielmehr gehöre es zum ärztlichen Auftrag, die Rolle des Mitgestalters aktiv einzunehmen. „Bringen Sie Ihre ärztliche Meinung ein“, appellierte Lobo. Die ärztliche Expertise ist auch gefragt, wenn es gilt, die Grenze dafür auszumachen, wie das Internet und seine Datenströme genutzt werden dürfen. Gemeinsam müsse eine rote Linie definiert werden, um Patientendaten zu schützen. NAV-Chef Dr. Dirk Heinrich pflichtete Lobo bei: „Wir müssen uns der Entwicklung stellen, wenn die Patienten das wollen.“ Die Rolle des Arztes wird sich verändern. Neben der Anwendung des medizinischen Wissens wird die individualisierte Kommunikation mit informierten Patienten immer wichtiger werden.

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