Praxisfinanzen

Gutes tun und sparen


Die Geschenke, das Festessen und der Christbaum. Das alles kostet Geld. Viele Arbeitgeber zahlen ihren Mitarbeitern Weihnachtsgeld und versüßen ihnen so das Fest. Doch an Sonderzahlungen wie dem Weihnachtsgeld verdient auch der Fiskus mit. Wie Sie Ihrem Praxisteam etwas Gutes tun und dabei Steuern sparen können, erläutert Steuerberaterin Inke Schlack von der DELTA Steuerberatungsgesellschaft in Bad Segeberg.


Text: Inke Schlack Illustrationen: Olga Shtonado

Arbeitskleidung

Soweit es sich um typische Berufskleidung handelt, deren private Nutzung so gut wie ausgeschlossen ist, bleibt die vom Arbeitgeber gewährte unentgeltliche oder verbilligte Überlassung ausnahmsweise steuerfrei. In Arztpraxen kann dies beispielsweise die einheitliche Kleidung der Mitarbeiterinnen sein, die mit einem gut sichtbaren Logo der Praxis versehen ist.

Betriebsveranstaltungen

Gemeinsam nicht nur zu arbeiten, sondern auch einmal zu feiern – das tut jedem Unternehmen gut. Das gilt auch für die Arztpraxis und die Klinik. Firmenevents wie Weihnachtsfeiern fördern den Zusammenhalt und werden deshalb grundsätzlich den Interessen des Betriebes zugeordnet. Allerdings müssen sich die Ausgaben für die Feier in Grenzen halten. Der Gesetzgeber sieht einen Freibetrag von 110 Euro für jeden Mitarbeiter vor. Alles, was für Speisen, Getränke und Rahmenprogramm darüber hinausgeht, ist lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig. Es besteht jedoch die Möglichkeit, die den Freibetrag übersteigenden Zuwendungen pauschal mit 25 % Lohnsteuer zu belegen – in dem Fall entfällt dann auch die Sozialversicherungspflicht.

Wird der Mitarbeiter vom Ehepartner oder einem Familienangehörigen begleitet, müssen auch die dafür entstehenden Kosten mitgerechnet werden.

Der Gesetzgeber akzeptiert bis zu zwei Betriebsveranstaltungen pro Jahr, die steuermindernd berücksichtigt werden können.

Kinderbetreuungskosten

Steuer- und sozialversicherungsfrei ist auch der sogenannte „Kindergartenzuschuss“. Dabei handelt es sich um Arbeitgeberleistungen zur Unterbringung und Betreuung – einschließlich Unterkunft und Verpflegung – der nicht-schulpflichtigen Kinder von Mitarbeiterinnen in Kindergärten oder vergleichbaren Einrichtungen. Eine betragsmäßige Begrenzung gibt es nicht – der Zuschuss kann bis zur Höhe der tatsächlichen Betreuungskosten gewährt werden. Wichtig ist, dass es sich um einen echten Zuschuss zum Grundgehalt handeln muss. Die Kinderbetreuungskosten müssen also zusätzlich zum Gehalt gezahlt werden.

Seit 2015 gibt es eine Vereinfachungsregelung, wonach Kinder als nicht schulpflichtig gelten, solange sie nicht eingeschult sind. Damit können Praxisinhaber auch in den Bundesländern mit „späten Sommerferien“ in den Monaten August und gegebenenfalls September bis zum Tag der Einschulung die Kindergartenzuschüsse steuerfrei auszahlen.

Fort- und Weiterbildungskosten

Orientierten sich potentielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter früher vorrangig an Sonderzahlungen und Urlaubsregelungen, fällt die Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber heute auch mit der Frage, ob sie das eigene berufliche Fortkommen fördern. Ermöglichen Sie Ihren Mitarbeiterinnen, sich fortzubilden, bringen Sie damit gleichzeitig eine hohe Wertschätzung zum Ausdruck. Fortbildungen sind ein wichtiges Instrument zur Motivation und Personalbindung. Erfolgt die Weiterbildung in ganz überwiegendem betrieblichem Interesse, sind die Kosten kein Arbeitslohn, sondern eine vollständige Betriebsausgabe und somit steuer- und sozialversicherungsfrei.

Werden durch Weiterbildungen allerdings allgemeinbildende Kenntnisse vermittelt, - beispielsweise in einem Sprach- oder PC-Kurs – liegt ein „ganz überwiegendes betriebliches Interesse“ nicht vor. Sofern Kurse, die allgemeinbildende Kenntnisse vermitteln, auf Wunsch des Arbeitgebers besucht werden, ist das betriebliche Interesse daran der Finanzverwaltung eindeutig darzustellen

Gesundheitsvorsorgeleistungen

Gesundheitliche Präventionsleistungen und Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung, die zusätzlich zum Gehalt gezahlt werden, sind steuer- und sozialversicherungsfrei, solange die Kosten von 500 Euro pro Mitarbeiter und Jahr nicht überschritten werden. Bei dieser Grenze handelt es sich um einen Freibetrag – er wird auch gewährt, wenn die Kosten insgesamt höher liegen.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Leistungen den Anforderungen von § 20 und §20 a SGB V genügen – das können beispielsweise Kurse zur gesunden Ernährung, Rückengymnastik, Stressbewältigung sein. Nicht steuerfrei sind Zuschüsse des Arbeitgebers für Beiträge zu Sportvereinen und Fitnessstudios.

Erholungspauschale

Nicht steuerfrei, aber steuerbegünstigt ist die Erholungsbeihilfe. Zusätzlich zum vereinbarten Gehalt können Sie Ihren Mitarbeiterinnen eine Erholungsbeihilfe in Höhe von 156 Euro pro Jahr zukommen lassen. Ist die Mitarbeiterin verheiratet, kommen noch einmal 104 Euro für den Ehepartner hinzu und weitere 52 Euro für jedes steuerlich zu berücksichtigende Kind. Bei zwei Kindern macht das immerhin 364 Euro im Jahr aus. Als Arbeitgeber entrichten Sie auf diesen Betrag eine pauschale Lohnsteuer von 25 Prozent; hinzu kommen Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer, aber keine Beiträge zur Sozialversicherung.

Für die Mitarbeiterin ist die Erholungsbeihilfe steuer- und sozialversicherungsfrei. Gezahlt werden kann die Erholungsbeihilfe bis maximal drei Monate nach dem Urlaub. Bedingung ist, dass die Erholungsbeihilfe auch tatsächlich für Erholungszwecke eingesetzt wurde. Dabei reicht es aus, wenn die Mitarbeiter Ihnen die Verwendung des Geldes für Erholungszwecke schriftlich bestätigen.

Das Einkommensteuergesetz hält noch weitere Möglichkeiten bereit, von denen beide Seiten – Praxismitarbeiterinnen und Praxisinhaber – profitieren können. Welche dieser Möglichkeiten am besten geeignet sind, hängt vor allem von der jeweiligen persönlichen Situation der Mitarbeiterinnen ab. Aber aufgepasst: Es will wohl überlegt sein, welche Entgeltinstrumente miteinander kombiniert werden können und vor allem auch, wie sie konkret ausgestaltet werden müssen. Ihr Steuerberater berät Sie gern. Bitte beachten Sie, wenn Sie in den vergangen drei Jahren ohne Vorbehalt Weihnachtsgeld in gleicher Höhe gezahlt haben, erwächst Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dieser „betrieblichen Übung“ ein Anspruch. Sie erwarten dann zu Recht, dass auch in diesem Jahr das Extrageld gezahlt wird.

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