Praxis & Recht

Die elektronische Alternative zur Papierrechnung


Elektronische Abrechnung  Seit Jahrzehnten gibt es Rechnungen in Papierform – aber die technologischen Entwicklungen der letzten Jahre bieten Alternativen, sagen die PVS und deren Telematikpartner PADline. Gemeinsam mit Partnern wie IBM haben sie eine Lösung entwickelt, mit der Patienten ihre PVS-Rechnungen direkt auf dem Handy oder Tablet abrufen können – bei höchster Datensicherheit.


 Text: Conny Meissner Illustration: Martin Schulz 

Die Zahl ist fast unvorstellbar: Etwa 1,8 Millionen Rechnungen verschickt allein die Privatärztliche Verrechnungsstelle Schleswig-Holstein · Hamburg jedes Jahr an Patienten. Ob Selbstzahler- oder Privatrechnung, IGeL- oder Beihilfeleistung – eine wahre Papierflut bewegt der Abrechnungsdienstleister, um Patienten Rechnungen über Leistungen von Ärzten und Zahnärzten zuzustellen. Bei den Patienten werden die Rechnungen dann geprüft: Es wird abgewogen, ob sie direkt beglichen oder zur Erstattung an die private Krankenversicherung (PKV) eingereicht werden sollen; in letzterem Fall stecken die Versicherten die Dokumente entweder in ein neues Kuvert oder sie scannen sie ein und schicken sie per E-Mail an die PKV. „Im gesamten Abrechnungssystem gibt es von Arzt bis hin zur PKV bislang gleich mehrere Medienbrüche“, erklärt Klaus Dorwald. „Die kosten Zeit und sind nicht selten Fehlerquellen.“

Dorwald ist Wirtschaftsinformatiker und Geschäftsführer von PADline, dem Telematikdienstleister der PVS. Gemeinsam mit der PVS Schleswig-Holstein · Hamburg und IBM hat er jetzt ein Pilotprojekt auf den Weg gebracht, um auch den Versand der Rechnungen von der PVS an die Patienten zu digitalisieren: Die Patienten sollen, sobald das Projekt Anfang 2017 anläuft, ihre Rechnungen auf Wunsch bequem auf ihrem Smartphone oder Tablet erhalten können. „Das war höchste Zeit“, sagt Dorwald. „Schon seit 2009 arbeiten wir gemeinsam daran, den gesamten Abrechnungsprozess stufenweise via IT zu optimieren.“ Zunächst wurde der Rechnungsabruf digitalisiert: Die PVS hält die Rechnungen seither, verschlüsselt und ohne personenbezogene Daten, in einem zentralen Datenpool vor. „Für Rechnungen, die Patienten bei ihrer Versicherung zur Erstattung eingereicht haben, kann eine registrierte Versicherung den Leistungsteil der Rechnung hierdurch elektronisch abrufen und einzelfallbezogen entschlüsseln‘‘, erklärt Horst Falkenberg, Geschäftsführer der PVS Schleswig-Holstein · Hamburg.

Ein Erfolgsmodell, wie Klaus Dorwald resümiert: „Fast alle privaten Krankenversicherungen sind mittlerweile dabei – allein 2015 wurden neun Millionen zur Erstattung eingereichte Rechnungen elektronisch abgerufen.“ Und mehr noch: Die Funktion dient auch als Basis für die Entwicklung von App-Anwendungen – die dann auch nicht lange auf sich warten ließen: 2011 brachte bereits die HanseMerkur Gruppe eine Smartphone-Anwendung auf den Markt, über die Patienten ihre Rechnungen elektronisch bei ihrer Versicherung einreichen können. „Der Versicherte scannt dazu mit seinem Smartphone die auf den Papierrechnungen aufgebrachten sogenannten Datamatrix-Codes“, erklärt Dorwald, „und sendet diese mit der App zu seiner Krankenversicherung. Die Krankenversicherung ruft dann den Leistungsteil der Rechnung elektronisch bei der PVS ab.“ Der Vorteil: Die Einreichung über den Postweg entfällt, die Versicherungen müssen die Dokumente nicht mehr einscannen. Auch auf diesen Dienst fällt laut Dorwald die Resonanz der Kunden sehr positiv aus – so positiv, dass mittlerweile fast alle großen Versicherungen solche Rechnungs-Apps anbieten.

Jetzt auch Rechnungen aufs Smartphone

Für ihn und die PVS war dieser Erfolg nicht zuletzt Ansporn, weiter zu gehen: „Der Versand von eRechnungen direkt zum Smartphone ist einfach der nächste logische Schritt“, sagt Horst Falkenberg. „Wir wollen den Versicherten den größtmöglichen Service bieten – das Angebot für eine eRechnung gehört unserer Ansicht nach einfach dazu.“ Und so funktioniert es: Der Patient muss sich zunächst für den Dienst registrieren. Dazu lädt er die App entweder im AppStore (iPhone) oder Google Playstore (Android) herunter und installiert sie auf dem Smartphone oder Tablet. Die PVS stattet jede Papierrechnung zukünftig mit einem speziellen Registrierungs-QR-Code aus, der vom Rechnungsempfänger in der App eingescannt werden kann. Dadurch erfolgt automatisch eine zentrale Registrierung bei PADline. „Auch bei der neuen Versandart eRechnung halten wir uns streng an die Anforderungen des Datenschutzes und der Datensicherheit. Deswegen setzen wir auf eine Zwei-Faktoren-Autorisierung“, so Dorwald. Das bedeutet, dass zusätzlich ein Brief an eben jene Adresse versandt wird, die über den QR-Code registriert wurde – „und dieser Brief enthält einen zweiten Code, den der Versicherte mit der App einscannt.“ Das klingt komplizierter als es ist, „und wir stellen damit sicher, dass die Rechnungen später tatsächlich an den richtigen Empfänger gehen.“

Überhaupt war die Gewähr der Datensicherheit beim ganzen Entwicklungsprozess „das höchste Gut“, wie Horst Falkenberg betont. So sei etwa sichergestellt, dass die PKV nichts über die Rechnungsstellung erfahre, bevor nicht der Patient das Dokument an sie weitergereicht habe. „Der Versicherte hat die ganze Zeit über die Hoheit über diese Rechnung, so wie beim bisherigen Postweg auch.“ Der Versand erfolgt schließlich hochverschlüsselt. Dies ist ein Vorteil gegenüber dem Versand von Nachrichten auf PCs: Handys und Tablets mit der entsprechenden App-Technologie sind so ausgerüstet, dass sie eine komfortable Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erlauben. „Das heißt, die Rechnung verlässt das Rechenzentrum der PVS so verschlüsselt, dass nur der Zielempfänger sie öffnen kann“, so Falkenberg. Weiterer Vorteil: Die Versicherten können sich über den Eingang einer neuen Rechnung via Push-Nachricht informieren lassen und die Rechnung mit einem einfachen Knopfdruck bei ihrer Versicherung einreichen. „Auch das erhöht die Schnelligkeit des Prozesses“, so Falkenberg. Und davon, fügt der PVS-Geschäftsführer hinzu, profitiert schließlich auch der Arzt. „Man kann davon ausgehen, dass ein nicht unerheblicher Teil der Rechnungen durch das neue Verfahren schneller erstattet wird – und der ausstellende Arzt früher sein Geld bekommt.“

Doch in erster Linie versteht Klaus Dorwald den mobilen Rechnungsversand als einen komfortablen Service für die Patienten. „Elektronische Rechnungen sind praktisch und einfach zu handhaben“, sagt der Informatiker. „Und nicht zuletzt“, fügt Horst Falkenberg hinzu, „schont der papierlose Prozess die Umwelt.“ Das gemeinsame Tüfteln an modernen Lösungen für die Abrechnungskette geht weiter, wie beide Geschäftsführer im Gespräch mit Zifferdrei durchblicken lassen: So könnten bald auch Bezahlvorgänge im Privatpatientengeschäft über mobile Endgeräte ablaufen. „Auf dem gesamten Entwicklungsweg“, sagt Dorwald, „sind wir bislang bestenfalls erst die Hälfte der Strecke gegangen.“

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