Schäfers Kolumne

Liberté, égalité, fraternité“, schallte es 1789 durch die Straßen von Paris und die Französische Revolution erhob sich. Heute ruft die ganze Welt: „Digitalization, digitalización, shùzìhuà!“. Die Digitalisierung bricht sich Bahn und das, was heute geschieht, ist nichts weniger als eine Revolution. 

Längst ist die Digitalisierung auch in der Medizin angekommen. Sie steht auf der Agenda von Branchenkonferenzen und Kongressen, sogar des Deutschen Ethikrates.

Die Hoffnungen auf das, was die Erfassung, Zusammenführung und Auswertung von Daten in kognitiven Systemen leisten kann, sind groß. Populäre Medien titeln „Dr. Algorithmus“ und „Landarzt Dr. Google“ und prognostizieren so die Ersetzbarkeit des Arztes durch die Technik. „Es braucht nicht viel Phantasie um sich vorzustellen, wie sich Smartphones – ausgerüstet mit Sensoren – zum Hausarzt in Hosentaschenformat entwickeln“, heißt es bei einem bekannten, auf IT spezialisierten Marketingfachmann. Hier geht es nicht um Phantasie, sondern schlichtweg um Unverständnis. 

Medizin braucht Wissenschaft und Intuition, Datenanalysen und Empathie, Statistik und Wissen im Zusammenspiel mit jahrelanger Erfahrung.

Die Digitalisierung wird die Medizin verändern, wie die Dampfmaschine die industrielle Produktion, den Verkehr. Daran knüpfen wir zu Recht Hoffnungen. Aber sie ist ein Werkzeug, ein Instrument. Medizin ist nicht exakte Wissenschaft, Heilung nicht mit mathematischen Algorithmen beschreib- und vorhersagbar. Medizin ist angewiesen auf das Vertrauen des Patienten zu seinem Arzt, der ihn begleitet, die Krankheitsgenese kennt, um das familiäre und soziale Umfeld weiß. Medizin braucht Wissenschaft und Intuition, Datenanalysen und Empathie, Statistik und Wissen im Zusammenspiel mit jahrelanger Erfahrung. Nur so kann sie erfolgreich sein. 

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe fragte auf der Leitmesse der Gesundheits-IT im Frühjahr: „Wollen wir Schrittmacher oder Getriebene der Entwicklung sein?“ Die Antwort muss heißen: Nein, nicht die Getriebenen. Aber diejenigen, die sich nicht überrollen lassen, die durch die Formulierung von Zielen und Strategien nutzbar machen, was Digitalisierung kann – und Grenzen setzen.

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