Praxisfinanzen

Rollendes Potential


Warum Oldtimer immer noch eine faszinierende Anlage sind. Manche für den Geldbeutel, andere für den Spaß.


Text: Jan Rentzow

Anfang Februar, an einem Freitagabend in Paris, ist es schon wieder geschehen: Bei der ersten großen europäischen Auktion des Jahres überhaupt wechselte ein Ferrari vom Typ 335 Sport Scaglietti aus dem Jahr 1957 den Besitzer. 40 Jahre lang war er Teil einer privaten Sammlung. Noch nie wurde jemals ein solcher Preis bei einer Auktion bezahlt. Mit einem Erlös von 32.075.200 Euro gab es wieder eine Auktion mit Rekord, einen kleinen Beweis für die leise Behauptung: So ein elegantes, altes Auto ist besser als Gold.

Noch ist es nicht zu spät, einzusteigen

Oldtimer sind fahrendes Kulturgut. Und seit Jahren werden sie für viele Anleger immer interessanter, seit die Zinsen so niedrig und so viele Märkte in Turbulenzen sind. „Obwohl viele Fahrzeuge aller Preisklassen schon sehr sprunghaft im Wert gestiegen sind, ist jetzt definitiv noch ein guter Zeitpunkt einzusteigen“, sagt Frank Wilke, Geschäftsführer des renommierten Bochumer Marktanalysten Classic-analytics. Der Wert vieler, alter Fahrzeuge werde auch weiter steigen. Langsamer oft. Aber verlässlich. 

„Hohe Auktionserlöse wirken wie ein Schaufenster. Durch minütlich steigende Umsätze und Millionen-Gewinne werden auch Zielgruppen auf den Markt aufmerksam, die vorher mit Oldtimern nichts zu tun hatten“, erklärt Wilke. „Leute, die sich näher damit beschäftigen, erkennen, dass es bei vielen Fahrzeugen noch immer Gewinnchancen und Wertzuwächse gibt.“ Der Oldtimer-Markt könne für jeden Geldbeutel eine Investition sein. Bei 2000 bis 3000 Euro angefangen, bis in den Millionenbereich.

Welches Auto lohnt?

Doch welche Autos fallen in diese Kategorie? Auf die Frage aller Fragen, welches Auto man sich denn nun kaufen solle, damit es sich als Wertanlage wirklich lohne, kann es nur eine Antwort geben: „Das richtige“, lautet sie.

Für vermögende oder schillernde Oldtimer-Sammler, die im High-End-Bereich etwas auf sich halten, führt kein Weg an einem 50er / 60er-Jahre Ferrari mit besonderer Rennhistorie vorbei, an Stars und Super-Stars aus den Häusern Mercedes oder Porsche – an traumhaft eleganten oder mythisch sportlichen Fahrzeugen aus limitierten Serien oder mit möglichst niedriger Laufleistung – an kaum verfügbaren Einzelstücken, die oft in dieser Form, Ausstattung oder Qualität einzigartig sind. Preziosen. Prachtstücke. Fahrbar natürlich. So alt sie auch seien.

Das wertvollste verkaufte Fahrzeug 2015? Ein Ferrari 290 MM aus dem Jahr 1956 für 28,05 Millionen Dollar, zu sportlichen Erfolgen geführt von niemand anderem als dem großen Rennfahrer Fangio selber. Sogar ein Porsche 356 SC-Cabrio, der einst der Rocklegende Janis Joplin gehörte, erlöste 1,7 Millionen Dollar – ohne die berühmte Vorbesitzerin hätte der Wert bei 120.000 Euro gelegen. 

Die zehn teuersten verkauften Fahrzeuge des letzten Jahres wechselten für zusammenaddiert 138 Millionen Dollar die Besitzer, es wurde sowohl der teuerste Porsche als auch der teuerste Jaguar aller Zeiten verkauft.

„Es sind zumeist die sportlichen Modelle, die aus der breiten Baureihe herausstechen, die am wertstabilsten sind. Sondermodelle wie zum Beispiel der Porsche 911 RS. Ein 911 S, produziert in den 70ern, verkauft sich heute für etwa 150.000 Euro. Das Sondermodell RS für 600.000 Euro“, sagt Norbert Schröder, der Geschäftsführer des Competence Centers Classic Cars der TÜV Rheinland GmbH, der als einer der besten Wertgutachter in Deutschland gilt.

„Wertstabil sind vor allem Autos, die original erhalten oder nach originaler Spezifikation restauriert sind“, weiß Schröder. Bevor ein wirklich wertorientierter Mensch sich für ein Fahrzeug entscheide, möge er sich lieber genau darüber informieren, welches Modell wirklich zu ihm passt, welche Ausführungen es damals wirklich gab und welche nicht, welche Motorisierungen, Ausstattungen. „Eine Fahrzeugakte, Beweise, steigern den Wert.“ 

Vorsicht in seinen Werterwartungen solle man besser bei Fahrzeugen walten lassen, bei denen die historische Lage unklar sei. „Bei den Porsche 904, 906, 908, 917 zum Beispiel, da ist im Laufe der Zeit so ein Durcheinander an Nachbauten, Umbauten entstanden, dass man da kaum noch nachvollziehen kann: Wie war es damals wirklich? Diese Fahrzeuge werden heute vom Markt mit Skepsis betrachtet.“

 

„Wertstabil sind vor allem Autos, die original erhalten oder nach originaler Spezifikation restauriert sind.“

 

Zwischen 2012 und 2014 stiegen die Preise von 50 raren, exklusiven, automobilen Klassiker-Typen jährlich um rasante 30 bis 50 Prozent. 2015, wenn auch etwas langsamer, um etwa 16 Prozent – aber immer noch über dem langjährigen Durchschnitt. Das besagt der eigens für seltene wertvolle Fahrzeuge erstellte Hagi-Top-Index der Historic Automobile Group International (Hagi).

Die Auswertungen von Frank Wilkes Classic-analytics dagegen legen die Preisentwicklungen auf dem Markt für insgesamt 88 Alltagsklassiker-Typen offen, die in größeren Stückzahlen gebaut wurden und auch heute noch gehandelt werden. Der daraus generierte Deutsche Oldtimer Index DOX des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) soll für Marktübersicht sorgen und Anlegern einen Anhaltspunkt für den tatsächlichen Wert eines Fahrzeuges geben. 

„Natürlich sind manche ausgewählte Modelle wie der Mercedes 280 SL (W 113) oder der VW Bulli Typ 2 / T2a in den letzten Jahren dramatisch im Wert gestiegen. Aber es gibt keine Blase. Dafür ist der Markt zu transparent. Wer aktuell mit 100.000 Euro einsteigt, kann im Schnitt damit rechnen, dass das Fahrzeug um 5 Prozent im Jahr zulegt“, sagt Frank Wilke. Mancher Oldtimer etwas mehr, mancher etwas weniger. Wilke: „Es gibt Fahrzeuge, die werden definitiv in ihrem Wert nicht mehr sinken wie beispielsweise der Fiat Barchetta, der BMW Z3 Roadster, der Porsche 911 (996). Fahrzeuge, die das schaffen, sind meist Fahrzeuge, die schon als Neuwagen einen hohen emotionalen Wert für den Fahrer hatten: Cabrios und Sportwagen. Sehr schnelle Autos – mittelklassige Gebrauchslimousinen eher nicht.“

Kommende Wertgewinner sind heute oft etwa 15 Jahre alt. In diesem Alter entscheidet sich, ob sie ausgemustert oder verschrottet werden, langsam in Vergessenheit geraten oder zu einem echten Liebhaberobjekt geraten. Die Anzahl der gebauten Fahrzeuge, die Anzahl der noch erhaltenen Fahrzeuge, die Beliebtheit damals und die Beliebtheit heute, entscheiden über die Wertentwicklung. Wilke: „Teurer werden immer die Fahrzeuge bei denen der damalige Zeitgeist vom heutigen Zeitgeist cool gefunden wird.“ Deshalb gibt es immer neue Topseller unter den Klassikern.

 

„Nehmen Sie zur Besichtigung unbedingt einen ­neutralen Dritten mit. Wenn man vor seinem Traumauto steht, dass man lange gesucht hat, brennen vielen schnell die Sicherungen durch. Dann kommen noch die Verkäufertricks dazu.“

Mitverdienen wollen viele

Aber was kann man tun, um die Nebenkosten möglichst so zu halten, dass sie den Wertzuwachs nicht auffressen? Nebenkostenreduzierung beginnt beim Kauf, so die Experten, indem man Fahrzeuge kauft und nicht auf Schnäppchen hofft, die ausgerechnet man selber gerade entdeckt. Wichtig: Sich vorher genau informieren, wo die Preise für das gewünschte Modell liegen. Sich Zeit nehmen, gut vorbereiten. Preise unter Normalpreis gibt es eigentlich nicht, es sei denn: Es ist etwas nicht in Ordnung. Wilke rät: „Nehmen Sie zur Besichtigung unbedingt einen neutralen Dritten mit. Wenn man vor seinem Traumauto steht, dass man lange gesucht hat, brennen vielen schnell die Sicherungen durch. Dann kommen noch die Verkäufertricks dazu.“

Aber es gibt noch einige Regeln: Nicht mehr als 2000 bis 4000 Kilometer im Jahr fahren. Wer zu viel fährt, fährt auch auf Kosten des Wertzuwachses. 

 

Nicht mehr als 2000 bis 4000 Kilometer im Jahr fahren. Wer zu viel fährt, fährt auch auf Kosten des Wertzuwachses. 

 

Auch Norbert Schröder von der TÜV Rheinland GmbH gibt den Newcomern unter den Autoanlegern einen Rat: „Die Werkstätten, die Gutachter, die Leasingfirmen, die Versicherer, die Stellplatzanbieter, die Warter – das sind alles Teilhaber des Marktes, die den Markt möglich machen. Es ist aber dringend erforderlich, sich zu informieren, an wen man gerät. Man muss vertrauen können.“

Da helfe es, sich in den Markenclubs zu informieren. Die Experten dort wissen genau, welche Probleme auftauchen können, wer sie am besten behebt und was es kostet. Schröder: „Nebenkosten senken ist Expertenwissen, das ist sich wirklich auskennen.“

Deshalb empfiehlt er auch einen soliden Grundeinstieg in die Materie: ein Fahrzeug, das nicht nur gut aussieht, sondern auch technisch wertvoll gebaut ist. „Bei den H-Kennzeichen, den zugelassenen Oldtimern, liegen die deutschen Marken bei 70 Prozent. Sie werden gekauft, auch aus Nostalgie, Erinnerung an das Fahrzeug der Eltern, weil man diese Fahrzeuge eben am besten kennt. Weil sie so solide sind.“

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