PVS-Positionen

Wir Ärzte stehen doch nicht mit dem Lasso auf der Straße und fangen uns die Patienten ein“, konterte Dr. Eckhard Weisner, ehemals Chef der Ärztekammer Schleswig-Holstein und stellvertretender KBV Vorsitzender, schon vor Jahren einen Standardvorwurf der Kassen. Der Eindruck, dass Ärzte genau das aber doch tun, drängt sich erneut auf, wenn man den aktuellen Ärzteatlas aufschlägt. Diesen Atlas gibt das Wissenschaftliche Institut der AOK in schöner Regelmäßigkeit seit 2007 heraus. Er kartographiert, wie viele Vertragsärzte mit welchen Fachrichtungen wo ihren Sitz haben. Und wie schon in den beiden bisher vorgelegten Kartenwerken ist das Ergebnis: Es gibt nicht zu wenig, sondern zu viele Ärzte. Inzwischen müsste man eigentlich von einer Ärzteschwemme sprechen. Denn heute haben wir laut der Studie fast 50 Prozent mehr Ärzte pro Einwohner als zu Beginn der neunziger Jahre. Lediglich in ländlichen Regionen sieht auch die AOK leichte Versorgungsengpässe.

 

Kassenrechnung: Weniger Ärzte gleich geringere Kosten.

Zu dieser Studie lässt sich vieles sagen. Zum Beispiel, dass die AOK-Wissenschaftler offensichtlich nicht wissen, wie es in den Artpraxen zugeht. Durchschnittlich hat der Vertragsarzt acht Minuten Zeit für einen Patienten. Und dass die Bedarfsplanung schlichtweg falsch ist. Das hat auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen angemahnt. Selbst der Gesetzgeber fordert inzwischen eine Reform der Bedarfsplanung. Man kann darauf hinweisen, dass es auch nicht ausreichen kann, die Ärzte einfach abzuzählen, ohne gleichzeitig zu ermitteln, ob sie Voll- oder in Teilzeit arbeiten. Und man kann auf die demographische Entwicklung hinweisen – mit Blick auf die Patienten und die Ärzteschaft selbst.

Die AOK stellt in typischer Kassenmanier eine einfache Rechnung auf: Weniger Ärzte gleich weniger Versorgungsbedarf gleich weniger Kosten. Diese Rechnung geht nicht auf. Die Patienten werden nicht gesünder, nur weil weniger Ärzte da sind, die sie behandeln können. Die AOK sieht Ärzte schlicht als Kostentreiber und Gegner. Die Augen vor den demographischen Tatsachen und dem damit verbundenen steigenden Versorgungsbedarf zu schließen, hilft niemandem. 

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