Gesundheitspolitik

„In fünf Jahren werden Organe dreidimensional geprintet“

© WISO/Schmidt-Dominé

Der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit steht vor der Tür – vom 10. bis 12. Juni 2015 trifft sich die Branche in Berlin. Ein Gespräch mit Prof. Axel Ekkernkamp, Wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Ärzteforums, über die Kongresshighlights 2015 und Megatrends im Gesundheitswesen.


Interview: Ingrid Mühlnikel | Fotos: WISO/Schmidt-Dominé (li.), Prof. Axel Ekkernkamp (re.)

E-Health-Gesetz, Digitalisierung in der Medizin, Cyber-Abwehr, vernetzte Gesundheit und der E-Health-Summit, dies sind nur einige Programmpunkte des diesjährigen HSK. Welchen Stellenwert nimmt die digitale Medizin im ambulanten und stationären Sektor heute ein? Ist E-Health tatsächlich schon in der Versorgung angekommen?

Ekkernkamp Sie beziehen sich ja auf die sicherlich vorbildliche ambulante und dann auch stationäre Versorgung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz. Deshalb die ganz klare Aussage: Ja, E-Health ist endlich in der Versorgung angekommen. Inzwischen sind Anwendungen wie Teleradiologie, Telepathologie und Teleneurologie offenbar schon so selbstverständlich, dass sie sich unter dem Begriff Internetmedizin immer weiter verbreiten. Insofern scheint das E-Health-Gesetz zwar nur Bekanntes zu zementieren, dennoch verspreche ich mir von dem neuen Gesetz einen weiteren Sprung nach vorn. E-Health bietet auch Arztpraxen große Chancen – das wird der Kongress deutlich machen.

E-Health ist eine klare Schwerpunktsetzung auf dem diesjährigen Kongress. Welche Themen sind für privatärztlich liquidierende Ärzte noch interessant? Und warum?

Ekkernkamp Zum einen: Da sämtliche Entscheider auf Seiten der Politik, der Kostenträger, der Krankenhäuser und der Verbände zusammentreffen, hat das Thema Novellierung der GOÄ gute Chancen, sich der Realisierung zu nähern. Zum anderen wird deutlich, dass Themen wie die Nutzung von Gesundheitsplattformen, die Versorgung älterer und chronisch Kranker oder die endlich greifbare sektorenübergreifende Versorgung zu fassbarem wirtschaftlichen Nutzen führen.

© Prof. Axel Ekkernkamp

„Der Hauptstadtkongress war immer schon 
nah an den Fachärzten.“

Erstmalig in diesem Jahr findet der Fachärztetag statt. Was macht dieses Forum notwendig? Warum ein neues Segment neben dem Deutschen Ärzteforum?

Ekkernkamp Man kann nicht immer wieder von sektorenübergreifender Versorgung oder von Netzwerkmedizin sprechen, ohne selbst Zeichen zu setzen. Der Hauptstadtkongress war immer schon nah an den Fachärzten. Es gab früher den Ostdeutschen Kassenärztetag oder den Tag der Niedergelassenen in Kooperation mit der KBV. Wie im letzten Jahr haben wir eine gemeinsame Plattform mit den Laborärzten, dazu kommt eine Sonderveranstaltung der KV Brandenburg. Der Spitzenverband der Fachärzte (SpiFa) will auch eine besondere Stellung in der Meinungsbildung gegenüber der Politik einnehmen – damit gehört der SpiFa eindeutig auf den Hauptstadtkongress. Das Angebot des Deutschen Ärzteforums wird also ergänzt und bereichert.

Big Data, Fachkräftemangel, sektorenübergreifende Versorgung – dies sind alles Megathemen im Gesundheitswesen. Welche Megatrends sehen die HSK-Veranstalter in den nächsten Jahren? 

Ekkernkamp Grundsätzlich wird sich das Format aller Präsenztagungen verändern, das wird auch für den größten Entscheiderkongress im Bereich Medizin und Gesundheit gelten. Die Diskutanten werden mit moderner Kommunikationstechnik an verschiedenen Orten sein, die Zielgruppen sind noch stärker über soziale Medien involviert als schon jetzt. Inhaltlich werden wir uns wundern, womit man sich schneller als erwartet zu beschäftigen hat: Fachleute berichten, dass in fünf Jahren Organe dreidimensional geprintet werden können, dass man in zehn Jahren in der Lage sein wird „künstlich“ Fleisch herzustellen. Die Robotik wird in die operative Medizin zurückkehren.

Weltweit wird die Bevölkerung jünger und jünger, in Mitteleuropa älter und älter. In Deutschland wird deshalb das Thema „Gesund zu Hause alt werden“ weiter in den Mittelpunkt des Interesses rücken. 

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