Praxismanagement

Faktotum war gestern


Gutes Praxispersonal zu finden, wird in einigen Regionen Deutschlands immer schwerer. 
Doch mit der richtigen Strategie und mit klaren Prioritäten lassen sich kompetente Medizinische Fachangestellte für Ihre Praxis gewinnen.


Text: Ingrid Mühlnikel 

Christoph Tismer, Geschäftsführer der Meoclinic in Berlin, schickt seine Medizinischen Fachangestellten (MFA) gerne mal ins Fünf-Sterne-Hotel – zur Fortbildung. Zugegeben, einige der besten Adressen liegen in unmittelbarer Nachbarschaft. Aber Tismer hat besondere Ansprüche an sein medizinisches Personal: Die Meoclinic zählt zu den bekanntesten Adressen für Privatmedizin – auch international. „Da muss nicht nur die fachliche Qualifikation stimmen, auch die Umgangsformen müssen passen“, so der Geschäftsführer. Doch wie findet man überhaupt gute MFA?

Personalsuche? Warum nicht ein Besuch in der Berufsschule!

„Das ist regional sehr unterschiedlich“, berichtet Caroline Beil, Inhaberin der gleichnamigen Beratungsagentur für Personal- und Praxismanagement. „Medizinische Fachangestellte werden in München händeringend gesucht und können aufgrund der hohen Nachfrage einen deutlich höheren Verdienst erzielen.“ Doch was ist, wenn Praxisinhaber in einer Region suchen, wo der Markt noch nicht leergefegt ist? Wie findet man die Besten? Das medizinische Angebot einer Arztpraxis richtet sich zumeist an eine lokale bis regionale Nachfrage. Da ist die gute alte Tageszeitungsanzeige immer noch ein probates Mittel, um Angebot und Nachfrage zusammenzuführen. Auch ein Blick auf den heimischen Ausbildungsmarkt lohne sich, so Nicole Weider. Sie berät unter anderem Kliniken und Arztpraxen beim Personalmarketing. „Inzwischen schult auch die Dekra Arzthelferinnen in Kooperation mit der Arbeitsagentur für Arbeit.“

Doch es gibt daneben noch eine Menge anderer Wege, qualifiziertes Fachpersonal zu suchen und zu finden. Caroline Beil empfiehlt beispielsweise, direkt in die Berufsschulen zu gehen, die Arbeit der eigenen Praxis vorzustellen und Präsenz zu zeigen. Keine Frage, das ist aufwändig. Aber die Personalexpertin Beil warnt davor, bei der Auswahl des Praxispersonals allzu sorglos vorzugehen. „Viele Patienten beurteilen eine Praxis eben nicht nur an der Heilkunst des Arztes, sondern summieren die Arbeit aller Kräfte in der Praxis zu einem Gesamteindruck.“ Auch das Netzwerk von Pharmareferenten und anderen Dienstleistern sei zu nutzen. „Die wissen oft, wo Veränderungen stattfinden, etwa wenn eine MFA umzieht und eine neue Stelle woanders sucht“, so Beil. 

Bodenständig geht Christoph Tismer bei der Suche nach MFA vor. „Wir nutzen unter anderem auch die Dienste der Bundesagentur für Arbeit“, so der Meoclinic-Geschäftsführer. „Unser Stellenangebot läuft dann in allen Stellenportalen wie Stepstone, Monster und weiteren Online-Stellenbörsen.“ Aber auch Stellenangebote auf der eigenen Website seien ein Instrument des Personalrecruitings. „Über unsere Website haben wir allein eine Rücklaufquote von 20 Prozent auf unsere Stellengesuche.“ Klassisch, aber nicht weniger effektiv ist eines der ältesten Kommunikationsmittel: die Empfehlung. Die eigenen Praxisangestellten können vermitteln: Sie kennen unter Umständen Fachkräfte, die auf der Suche sind und in das jeweilige Praxisteam passen würden.

„Viele Patienten beurteilen eine Praxis eben nicht nur an der Heilkunst des Arztes, sondern summieren die Arbeit aller Kräfte in der Praxis zu einem Gesamteindruck.“

Caroline Beil

Quereinsteiger bringen oftmals neue Perspektiven mit

Wenn alles nichts hilft, kann ein Blick über den Tellerrand lohnen. Auch Quereinsteiger können eine Bereicherung für die Praxis sein. Caroline Beil erzählt, sie wisse von einem Fall, wo eine ehemalige Schuhverkäuferin erfolgreich in einer Praxis reüssierte. Oftmals bringen Fachkräfte aus anderen Branchen neue, hilfreiche Perspektiven in den Praxisalltag ein. Für den Empfangsbereich sind deswegen besonders auch Kräfte aus der Hotellerie gefragt. „Denn Empathie und Freundlichkeit lassen sich nicht immer lernen“, glaubt Caroline Beil. „Diese Eigenschaften sind gesellschaftlich und erziehungstechnisch geprägt, oder auch nicht.“ Auch Christoph Tismer beobachtet: „Beim Thema Empathie trennt sich die Spreu vom Weizen.“ Tismer will das nicht nur auf den Kontakt mit dem Patienten verstanden wissen. Eine MFA in der Meoclinic müsse mit unterschiedlichen Ärzten zusammen arbeiten können. Auch da sei Einfühlungsvermögen gefragt.

Sollte sich ein Bewerberkreis geeigneter Kandidaten herausgebildet haben, stellt sich die Frage: Was soll der oder die Kandidat(in) an Eignungen mitbringen? Eigenschaften wie Flexibilität, Belastbarkeit werden neben den einschlägigen fachlichen Qualifikationen in Hygiene, Qualitätsmanagement und / oder Abrechnung stets vorausgesetzt. Doch auch Praxisinhaber sollten sich vor den Bewerbungsgesprächen Gedanken machen, findet Nicole Weider. Hilfreich sei, sich zu vergegenwärtigen, wen man eigentlich sucht. Die Allrounderin ist zwar nach wie vor ein gewünschtes Ideal, aber wer bedient schon alle Anforderungen in höchster Qualität, fragt die Marketingexpertin Weider. Manchmal empfehle sich auch ein bezahlter Probetag, um herauszufinden, ob ein Bewerber oder eine Bewerberin geeignet ist, so Weider. Schließlich geht es auch darum, ständige Fluktuationen im Praxisteam zu vermeiden. Denn auch das Berufsbild der MFA hat sich in den vergangenen Jahren sehr gewandelt. Viele MFA wechseln heute in die Ambulanz einer Klinik oder in ein Medizinisches Versorgungszentrum. „Die Stellenangebote werden immer vielfältiger“, findet Caroline Beil. „Und auch die medizinische Qualifikation einer MFA nimmt stetig zu. Heute bieten Augenärzte schon Stellen mit einer Zusatzausbildung in Diagnostik an.“ Interessante Bewerber suchen interessante Stellen. 

„Beim Thema Empathie trennt sich die Spreu vom Weizen.“

Christoph Tismer

Künftig müssen sich auch Praxisinhaber etwas einfallen lassen, um gutes Personal nicht nur zu finden, sondern auch zu binden. Dazu zählt nicht nur ein Gehalt, das sich am Tariflohn orientiert und flexibel nach oben orientieren kann. Auch die eine oder andere Weiterbildung, beispielsweise ein Kommunikationstraining, kann als Mitarbeiterbindungsinstrument wahrgenommen werden. Christoph Tismer hat damit gute Erfahrungen gemacht: „Unsere MFA erhalten in den Seminaren für Hotelpersonal gute inhaltliche Impulse und tragen diese in die Meoclinic hinein, andererseits registrieren sie auch, was bei uns bereits an Positivem umgesetzt wird. Das schafft Jobzufriedenheit.“

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