Praxisfinanzen

Digitales Gold oder böses Geld?

© shutterstock.com/Artur Stotch

Warum Bitcoin und Blockchain mehr als ein Trend sind.


Text: Anne Nürnberger

Da erfindet der US-Unternehmer Chris Larsen einfach die neue Kryptowährung Ripple und katapultiert sich damit auf Platz 5 der Forbes-Liste der Superreichen. Dort, wo eben noch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg stand. Sagenhafte 36 000 Prozent hatte der Ripple im Bitcoin-Hype an Wert gewonnen.

Deutsche Millenials wie Robert Küfner (29) haben mit „Bitcoin-Mining“ – der Verifizierung von Transaktionen über ihre Rechner – ein Millionenvermögen verdient. Und bei der Münchner Digitalbank Fidor erzählt man die Geschichte einer 77-Jährigen, die den Verkaufserlös ihres Hauses unbedingt in Bitcoin anlegen wollte und nun wohl Multi-Millionärin ist.

Seit der Bitcoin-Kurs im vergangenen Jahr um mehr als 1000 Prozent nach oben raste, fragen sich immer mehr Menschen, ob es ein Fehler ist, nicht zu investieren. In Bitcoin oder eine der mittlerweile mehr als 1500 Kryptowährungen auf Basis der fälschungssicheren Blockchain-Technologie, die nicht nur die Finanzmärkte auf den Kopf stellt.

„Bitcoin ist böse!“, warnte Nobelpreisträger und Ökonom Paul Krugmann noch vor einigen Jahren. Und wie die Bundesbank und die Finanzaufsicht BaFin raten die meisten traditionellen Banker ihren Privatkunden vom Kauf von Kryptowährungen weiterhin ab. Die Wertschwankungen von Bitcoin seien aktuell dreizehnmal höher als die von Gold, gab Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erst im Februar zu bedenken. Da brachte es der neue digitale Parallelentwurf einer vermeintlich gerechteren Finanzwelt weltweit bereits auf einen Wert von 500 Milliarden Dollar.

Dennis Weidner: der Gründer der C3 Crypto Conference und CEO der Paranoid Internet GmbH bei seiner Eröffnungsrede auf der Konferenz.  © Pressematerial C3 Crypto Conference

Die Blockchain streicht die Rolle der Bank aus dem Geldverkehr

Traditionelle Geldinstitute sehen ihr Geschäftsmodell in Gefahr. Idealisten träumen schon von einem gerechteren Wirtschaftssystem. Denn Kryptowährungen streichen die Rolle der Bank aus dem Geldverkehr. Die Blockchain, die Verschüsselungstechnologie hinter dem neuen System, funktioniert wie ein Kassenbuch, das auf unzähligen Rechnern existiert und alle abgeschlossenen Transaktionen enthält. Jede neue Überweisung wird in einem Datenblock angehängt, die vom gesamten Netzwerk abgeglichen wird. Diese dezentrale Datenbank, die Transaktionen transparent, aber Nutzer anonym behandelt, gilt derzeit als absolut fälschungssicher. 

Wer gewinnt? Bleiben die legendären Millionengewinne am Ende den Umstürzlern der ersten Stunde vorbehalten? Wenn der Bitcoin erst einmal zum normalen Bestandteil des Vermögensportfolios vieler geworden sei, schrieb Thorsten Polleit, Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel GmbH kürzlich in seiner Kolumne in der „Wirtschaftswoche“, dann dürften sich auch die Nachfrage und die starken Preisschwankungen stabilisieren. Die Preisvolatilität sei lediglich Ausdruck seiner relativen Neuartigkeit.

Was sollte ich jetzt über Kryptowährungen wissen?

zifferdrei hat sich auf Deutschlands bislang größter Messe zum Thema, der C³ Crypto Conference, informiert, die gerade mit 2500 Teilnehmern in Berlin stattfand.

Wichtigste Nachricht: Kryptowährungen und Blockchain sind mehr als ein Trend. Sie sind die Zukunft des Zahlungsverkehrs.

C3 Crypto Conference: Besucher auf der Messe 2018 in Berlin  © Pressematerial C3 Crypto Conference

Wie hoch ist das Risiko für Anleger?

Sehr hoch. Eine sichere Anlage sind Kryptowährungen weiterhin nicht. Wer eine Kryptowährung kauft, investiert nicht, er spekuliert. „Bei allen Projekten, die wir unterstützen, weise ich immer darauf hin, dass Totalverlust möglich ist“, sagt Dennis Weidner, Gründer der C³ Crypto Conference und CEO der Krypto-Agentur Paranoid Internet.

„Wir beobachten die Entwicklung von Kryptowährungen wie Bitcoins sehr genau“, sagt Sebastian Kraft, Corporate Strategy & Manager des DLT/Blockchain Lab der Commerzbank. „Diese sind allerdings sehr spekulativ und unreguliert getrieben. Deshalb geben wir dazu auch keine Empfehlungen ab.“ Das wirklich spannende Thema sei für die Commerzbank die darunter liegende Technologie, die Blockchain. Kraft: „Die Blockchain-Technologie kann im Bankgeschäft, aber auch industrieübergreifend, enorme Effizienzgewinne ermöglichen und auch Risiken minimieren.“

Worauf sollte ich unbedingt achten?

Die Kaufgebühren, die Krypto-Börsen erheben, sind sehr unterschiedlich und werden oft nicht extra ausgewiesen. Bei Bitcoin.de handeln Nutzer direkt miteinander, so kommt es auch zu Angeboten, die über dem aktuellen Marktpreis liegen.

Dennis Weidner: der Gründer der C3 Crypto Conference und CEO der Paranoid Internet GmbH bei seiner Eröffnungsrede auf der Konferenz.

Wie kann ich einsteigen?

Jeff Gallas (33), Blockchain-Berater, Unternehmer und Gründungsdirektor des Bundesverbandes Bitcoin, glaubt: „Bitcoin ist die Weltwährung der Zukunft. Damit haben wir digitales Gold erreicht.“ Anfängern rät er mit Bitcoin einzusteigen. „Wenn man Bitcoin verstanden hat, kann man auch andere Kryptowährungen handeln.“

Da es bislang kaum professionelle Anlageberatung zum Thema gebe, empfiehlt er: eigene Recherche und Treffen der Bitcoin-Community. „In jeder größeren Stadt gibt es Bitcoin-Meetings. Es lohnt sich, dort hinzugehen, 50 – 100 Euro in Bitcoin zu tauschen und aufs Handy zu packen.“ Ist er denn nun reich? Jeff Gallas lacht: „Auf jeden Fall! Die letzten Jahre haben so viele Abende und Horizonte erweitert.“

© Pressematerial C3 Crypto Conference

Wo bewahre ich meine Bitcoins auf?

Ein Konto bei einer Bitcoin-Börse kann gehackt werden. Deshalb empfiehlt es sich, sich für ein privates „Wallet“ zu registrieren. Das ist eine Art virtuelles Portemonnaie und um einiges sicherer. „Wenn man dann mehr investiert, sollte man ein Hardware Wallet haben, einen kleinen USB mit einem privaten Schlüssel, und ihn bei der Bank ins Schließfach packen“, rät Krypto-Pionier Jeff Gallas.

Bedeutet ein niedriger Stückpreis weniger Risiko und mehr Gewinnpotential?

Auch wenn einige Kryptowährungen günstiger zu haben sind als Bitcoin – der Stückpreis eines Coins sagt wenig über seine Entwicklungsmöglichkeiten aus. Denn der Stückpreis ist auch von der Gesamtmenge der im Umlauf befindlichen Einheiten abhängig. Gibt es besonders viele, ist er niedrig. Gibt es wenige (beim Bitcoin sind es aktuell knapp 17 Millionen), ist eine Einheit wertvoller und damit teurer. Insgesamt wird es nur 21 Millionen Bitcoin geben. So ist es im Bitcoin-Algorithmus festgeschrieben.

Wie investieren die Profis?

Sie investieren in spannende Start-ups, die dazu ihre eigene Währung, sogenannte „Tokens“ herausgeben. Tokens sind so etwas wie die Aktien der Krypto-Welt. Da keine Bank diese Investments kontrolliert, geht alles viel schneller. Die Finanzierung und auch die Umsetzung neuer Projekte. Aktuell gibt es etwa 3000 dieser Initial Coin Offerings (ICOs), die an Firmen gebunden sind. 

„Mit unserer Messe als Leuchtturm-Event wollen wir der Builder des Krypto-Ökosystems in Deutschland sein. Und die ICOs sind das Benzin“, erklärt Dennis Weidner. Schließlich sitzen in Deutschland viele „First Mover“ der Szene, darunter die Gründer der Währungen Ethereum und IOTA.

In der Bar „Room 77“ in Berlin-Kreuzberg kann man schon seit 2011 mit Bitcoin bezahlen. Jeff Gallas war einer der ersten Krypto-Pioniere, die sich dort an jedem ersten Donnerstag im Monat trafen. Einmal hätte er damals Biere und Burger mit zwei bis drei Bitcoin bezahlt. Ein teueres Vergnügen nach dem Topkurs von 11 000 Euro in diesem Januar.

Dianne Raedle (mi.): Börsenmaklerin und Blockchain-Start-up-Beraterin auf der Konferenz  © Pressematerial C3 Crypto Conference

Welche Kryptowährungen sollte ich kennen?

„Bitcoin, Ethereum, Ripple, IOTA und Dash“, sagt Dianne Raedle, CEO der Deer Isle Group, einem Börsenmakler aus New York. „Das sind alles echte Kryptowährungen, deren Wert nicht an Firmen gebunden ist.“ Einen Überblick über die aktuellen Kurse gebe die Handelsplattform CoinMarketCap.com. Privaten Anlegern empfiehlt sie: „Investieren Sie erst einmal nicht mehr als in Ihr Schuhbudget. Einfach, um ein Gefühl für den Markt zu bekommen.“

Denn auch, wenn längst klar ist, dass Kryptowährungen die Zukunft des Bezahlens bestimmen werden, kann es durchaus passieren, dass es einmal andere und bessere gibt, als die heute am Markt existierenden.

Wo kann ich Bitcoin kaufen?

Gallas empfiehlt zum Einstieg Bitcoin.de, die Seite sei für deutsche Nutzer optimiert. Gründer dieser bislang einzigen deutschen Bitcoin-Börse ist Oliver Flaskämper (45), der auf dem Höhepunkt des Bitcoin-Kurses schon einmal 10 000 neue Nutzer an einem Tag registrierte. Auch die Handelsplattformen Coinbase und Bitpanda sind bei deutschen Anlegern beliebt. 


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