Abrechnung

Besonderheiten der Honorarabrechnung bei chronisch Kranken

© Martin Schulz

Abrechnung  Wie werden flankierende therapeutische und soziale Leistungen bei chronisch Kranken honoriert, bei welchen Sachverhalten kann die Ziffer 849 GOÄ abgerechnet werden, ist der Ansatz eines erhöhten Faktors bei persönlicher Leistungserbringung gerechtfertigt?


Text: Peter Gabriel

Ziffer 15 richtig abrechnen

Ziffer 15 GOÄ beinhaltet die Einleitung und Koordination flankierender therapeutischer und sozialer Maßnahmen während der kontinuierlichen ambulanten Betreuung eines chronisch Kranken. Sie darf ein Mal im Jahr abgerechnet werden. Diese Gebührenordnungsposition ist an eine Vielzahl von Vorgaben geknüpft, kein Wunder also, dass ihre Anwendung in der täglichen Praxis immer wieder zu Problemen führt.

Fraglich ist beispielsweise, ob die Ziffer 15 dafür berechnet werden kann, dass therapeutische Maßnahmen durch Arztbriefe und soziale Maßnahmen durch eine spezielle Beratung des Patienten koordiniert werden. Konkret also etwa, wenn etwa vor einer Reise die Dauermedikation sichergestellt wird, indem der Arzt zu den Besonderheiten der Therapie und den Urlaubsbedingungen berät und größere Mengen des Medikamentes verschreibt.

Ein Arztbrief ist eine in sich abgeschlossene Leistung und beinhaltet bei seiner Berechnung selbstverständlich auch gegebenenfalls Empfehlungen zur weiteren Therapie. Ebenso ist die Koordination sozialer Maßnahmen inhaltlich etwas anders als eine Beratung des Patienten. Hier sind beispielsweise pflegerische und soziale Maßnahmen wie Essensdienst, Wohnungsbetreuung oder die Aufnahme ins Altersheim gemeint. Eine Abrechnung der Ziffer 15 bei dem oben dargestellten Sachverhalt ist daher nicht möglich. Die Leistung nach Ziffer 15 kann sinnvollerweise erst nach Abschluss der einleitenden Untersuchungen und Behandlungen sowie nach Erhebung aller relevanten Befunde und nach Einstellung des Patienten auf eine langfristige Therapie zum Einsatz kommen. Die Leistung nach Ziffer 15 kann auch in Abwesenheit des Patienten erbracht werden. Sie beinhaltet Telefonate bzw. Gespräche und Schriftwechsel mit anderen Ärzten, stationären Einrichtungen, Pflegeheimen, sozialen Einrichtungen, Kureinrichtungen der Krankenversicherung, Physiotherapeuten, Psychologen oder Sozialarbeitern.

Analoge Bewertung von Aufklärungsgesprächen

Nach Ansicht des Gesetzgebers reichen die Beratungsleistungen in der GOÄ aus, um das gesamte Spektrum an Gespräche, Beratungen und Erörterungen abrechnen zu können. Eines analogen Abgriffes bedarf es daher nicht. In Abschnitt B der GOÄ finden sich tatsächlich verschiedene Beratungsziffern, die zur Abrechnung herangezogen werden können. Abstufungen qualitativer und quantitativer Art sind über den Ansatz entsprechend erhöhter Multiplikatoren vorzunehmen.

Anders verhält es sich, wenn bei der Beratung oder Planung psychoreaktive, psychosomatische oder neurotische Störungen im Sinne der Ziffer 849 GOÄ im Vordergrund stehen. Hier kann, auch wenn keine „Psychotherapeutische Behandlung“ im Sinne des Leistungsinhaltes der Ziffer 849 GOÄ stattfand, diese Nummer analog angesetzt werden. Der in der Ziffer 849 GOÄ enthaltene Zeitfaktor wird dabei nicht ausgeschaltet. Eine Dauer von mindestens 20 Minuten muss daher erfüllt sein. Von einem regelmäßigen Ansatz der Ziffer 849 analog zu „Ausführliche Erläuterungen zu den Auswirkungen und Nebenwirkungen der Behandlung“ raten wir ab.

Erhöhter Faktor bei persönlicher Leistungserbringung?

Die eigenhändige Leistungserbringung zählt nicht zu den in § 5 GOÄ genannten Bemessungskriterien für den Ansatz eines erhöhten Faktors. Sie ist vielmehr nach § 4 Voraussetzung für die Berechenbarkeit der Leistung. Dass delegierbare Leistungen weniger „hochwertig“ sind, findet seinen Niederschlag in der Bewertung der Leistung selbst. So ist die vorwiegende Delegation von Leistungen eines der Kriterien für die Aufnahme einer Leistung in den „kleinen Gebührenrahmen“ nach Abschnitt A der GOÄ. Aber auch wenn der Arzt eine solche Leistung selber erbringt, ist dies kein Grund zu höherer Berechnung. § 5 sieht dies nicht als zulässiges Kriterium vor. Die Gebühren sind innerhalb des Gebührenrahmens unter Berücksichtigung der Schwierigkeit und des Zeitaufwandes der einzelnen Leistung sowie der Umstände bei der Ausführung nach billigem Ermessen zu bestimmen. Die Schwierigkeit der einzelnen Leistung kann auch durch die Schwierigkeit des Krankheitsfalles begründet sein.

In diesen Fällen sind auch weitergehende Unter­su­chungs- und Gesprächsleistungen neben der Ziffer 29 berechnungs­fähig. Dies betrifft zum Beispiel die eingehende neurologische Untersuchung nach Ziffer 800 sowie die Erörterungsleistung nach Ziffer 34. Im Falle der Ziffer 34 muss jedoch die Mindestzeit von 20 Minuten ausschließlich auf die Erörterungsleistung bezogen sein, so dass der Zeitbedarf beispielsweise im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung keinesfalls auf diese Mindest­zeit anzurechnen ist.

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