Abrechnung

Gesundheitsuntersuchungen zur Früherkennung

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Abrechnung  Wie Untersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten ­korrekt abgerechnet werden und was bei der Behandlung von gesetzlich ­versicherten Patienten zu beachten ist, erläutert Peter Gabriel, Geschäftsführer der PVS Südwest.


Text: Peter Gabriel

Im privatärztlichen Bereich ist in Übereinstimmung mit § 1 Abs. 2 der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) eine Gesundheitsuntersuchung bei Erwachsenen bereits ab dem vollendeten 18. Lebensjahr durchaus sinnvoll. Dort heißt es einschränkend ledig­lich: „… Leistungen, die über das Maß einer medizinisch notwendigen ärztlichen Ver­sorgung hinausgehen, darf er [der Arzt, d. Verf.] nur berechnen, wenn sie auf Verlangen des Zahlungs­pflichtigen erbracht worden sind.“ Eine jährliche Gesundheitsuntersuchung geht aber keineswegs über das Maß einer „medizinisch notwendigen ärztlichen Versorgung“ hinaus. Möchte ein Patient einmal pro Jahr eine Gesundheitsuntersuchung als individuelle, auch auf das Sicherheitsbedürfnis abgestimmte Gesundheitsleistung in Anspruch nehmen, so ist hiergegen aus medizinischer Sicht nichts einzuwenden. Abgerechnet wird die Unter­su­chung über die Ziffer 29.


Duplexsonographie der hirnversorgenden Gefäße

(„Schlaganfallvorsorge“) 
nach Ziffer 645


Sonographischer Check-up der Abdominal­organe*

nach den Ziffern 410 und 420


Belastungs-EKG zur Früherkennung* 

nach Ziffer 652

Allerdings kann es sein, dass die PKV oder die Beihilfestelle eine Kosten­übern­ahme ablehnt, sofern der Check-up nicht Bestandteil des GKV-Leistungskataloges ist. Der Arzt sollte den Patienten auf jeden Fall darauf hinweisen, dass dann die Kosten möglicher­weise nicht erstattet werden. Zur Gesund­heits­­untersuchung gehören im Regelfall ein Ruhe-EKG nach Ziffer 651 sowie die Labor­unter­suchung auf Glukose, Choles­­­terin, Harnsäure und Kreatinin einschließlich der erfor­der­lichen Blutentnahme. Wünscht der Patient darüber hinaus aus einem persönlichen Sicherheitsbedürfnis weitere Unter­suchungsleistungen, die aus medizinischer Sicht im Sinne von § 1 Abs. 2 GOÄ medi­zi­nisch nicht zwingend erforderlich sind, so sind diese individuellen Gesund­heits­leis­tun­gen nur dann berechnungsfähig, wenn der Patient diese Leistungen ausdrücklich verlangt. Dies sollte sich der Arzt schriftlich bestätigen lassen.


Sportmedizinische Untersuchung und Beratung

ggf. einschließlich Belastungs-EKG und Lun­gen­funktionsdiagnostik


Oesophago-Gastroskopie 

zur Früherkennung von Speise­röhren- und Magenkrebs (z.B. Ziffer 685)


Glaukomfrüherkennung

mittels Tonometrie, Ophtal­muskopie und Periametrie („Erblindungs­vorsorge“)

Zu derartigen Leistungen können beispielsweise die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens oder die vaginale Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Eierstock- und Gebärmutterkörperkrebs gehören.

Solche aus ärztlicher Sicht sinnvolle, jedoch medizinisch nicht immer notwendige individuelle Gesund­heits­leistungen sind auch bei gesetzlich Kranken­ver­sicherten auf der Grundlage eines privatärztlichen Behand­lungs­vertrages nach GOÄ berechnungsfähig. Neben den Früh­erkennungsleistungen können kurative diagnos­tische und therapeutische Maßnahmen durchgeführt und abgerechnet werden, wenn sich aus der Gesund­heits­unter­suchung ein Krank­heits­verdacht ergeben hat oder die Gesund­heits­unter­suchung im Zusammenhang mit einem aufgrund von Krankheits­symp­to­men in Anspruch genommenen Arztbesuch durchgeführt wurde.


Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA)

zur Früherkennung des Prostata-Karzinoms


TSH-Untersuchung

bei Frauen über 45 Jahren („Schilddrüsenvorsorge“)


Bestimmung der Blutkörperchen, Senkungs­­ge­schwindigkeit 

(Ziffer 3501 oder 3711)

In diesen Fällen sind auch weitergehende Unter­su­chungs- und Gesprächsleistungen neben der Ziffer 29 berechnungs­fähig. Dies betrifft zum Beispiel die eingehende neurologische Untersuchung nach Ziffer 800 sowie die Erörterungsleistung nach Ziffer 34. Im Falle der Ziffer 34 muss jedoch die Mindestzeit von 20 Minuten ausschließlich auf die Erörterungsleistung bezogen sein, so dass der Zeitbedarf beispielsweise im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung keinesfalls auf diese Mindest­zeit anzurechnen ist.